Donnerstag, 19. Dezember 2013

#8 - Lasst uns froh und munter sein...

Donnerstag, der 19. Dezember. Mir ist so warm. T-5 Tage bis Weihnachten. Hat sich noch nie so unrealistisch angefühlt. Und ich war noch nie so wenig in Weihnachtsstimmung wie dieses Jahr. Die Nikolausmützen auf dem Kopf der Kassiererin befinden sich dort schon seit Anfang November und Weihnachtsbeleuchtung gibt’s nur unten in der Stadt entlang einer einzigen Straße. Wieso das beleuchtete Fische, Robben und Delfine sind, weiß ich aber halt auch nicht. Die Stimmung ist eignetlich nicht so wichtig, aber Plätzchen müssen her - also haben wir uns gestern endlich mal ans Werk gemacht: Vanillekipferl (an der Form arbeiten wir noch) und Bratapfelkekse!



Konnte ja keiner wissen, dass mein Paket von zu Hause, inklusive den weltbesten Plätzchen von Oma und Spekulatiuskeksen heute ankommt... jetzt hab ich also ein ganzes Sortiment und bin gewappnet für die nächsten Tage (Wochen?).

Im Stress bin ich sogar auch, nur hat der weniger mit Weihnachten zu tun, sondern eher mit unserem bevorstehenden Trip! Am Samstag soll’s losgehen und jetzt sind meine Tage gerade vollgepackt mit TO DO-Listen schreiben, packen, Essen einkaufen, Malariatabletten besorgen, Geld wechseln, Routenplaner ausdrucken, waschen, aufräumen, Kühlschrank leer essen, saubermachen.

Und dann wär da noch der Lehrplan für das nächste Schuljahr an der BAS, den Ferdi und ich vor Abfahrt noch fertigstellen müssen. Da wir unser Konzept jetzt von Hausaufgabenbetreuung auf Mathe- und Englischunterricht umstellen, müssen wir viel Material neu sammeln, Themen ausarbeiten, Arbeitsblätter erstellen – so Lehrerzeugs eben! Auch wenn mich die 20 Mathebücher vor mir auf dem Tisch nicht gerade anlächeln, macht es irgendwie auch Spaß, Unterricht mal von einer anderen Seite anzugehen als es sonst immer war und mal selbst zu planen. Trotz allem wird der schulische Teil an der BAS eine größere Verantwortung sein als bisher (nicht zu vergessen, dass wir nach wie vor keine ausgebildeten Lehrer sind) und ich hoffe sehr, dass die Kinder tatsächlich mehr Fortschritt machen und das ganze nicht nach hinten losgeht.
In der Fotogalerie sind übrigens auch ein paar Bilder von unserem Sommer Camp Anfang Dezember, was meiner Meinung nach ein voller Erfolg war. Es hat viel Spaß gemacht, mal wieder mehr Zeit mit den Kids zu verbringen und wir hatten viele coole Activities wie Schwimmbad, Filme, Fahrradparcours, Batiken, GoKart fahren, Olympische Spiele, Grillen... und auch wir Coaches haben überall mitgemacht und durften bei einer Runde Laser Tag mal wieder ganz Kind sein und durch die Gegend rasen um Leute abzuballern. Ich fands mega.

Anyway – falls wir es in den nächsten zwei Tagen wirklich schaffen, das Auto auf Vordermann zu bringen, fahren wir am Samstagmorgen los Richtung Botswana. Wir, das sind Ferdi, Ndili (ein Freund von hier, seinem Vater gehört das Auto), Peter (Praktikant bei Hitradio Namibia), den wir vor ein paar Wochen hier kennengelernt haben und ich. Unsere Haustiere, die Mosquitos und Kakerlakis, lassen wir zu Hause. (Dreist die Dinger, sieht man nie länger als 2 Sekunden, was viel zu kurz ist um die Fliegenklatsche zu holen; haben mir schon einige Runden Früh-und Spätsport beschert)



Wir fahren also durch die Kalahari Wüste über die Grenze nach Botswana, besuchen die Bushman, fahren weiter ins Okavango Delta, wo wir in einem Backpackers mit hoffentlich vielen coolen Leuten Weihnachten verbringen. Weiter nach Norden und somit zurück nach Namibia in den Caprivi Streifen und von da aus zu den Victoria Falls an der Grenze zu Sambia und Simbabwe. Nach dem Vic Falls Carnival Festival fahren wir auf namibischer Seite zurück ins Vamboland und dann nach Windhoek. Teil 2 nach 1-2 Tagen Pause führt uns (hoffentlich) dann mit einer leicht veränderten Crew Richtung Süden zum Fish River Canyon und nach Lüderitz. Das ist also die Mission. Inwiefern wir es schaffen, sie zu erfüllen, erfahrt ihr im Januar.

Ich wünsche euch tolle Weihnachtsfeiertage, leckeres Essen, große Geschenke, viele liebe Menschen und vielleicht auch ein paar Zentimeter Schnee?





Bis nächstes Jahr,
Julia


Mittwoch, 27. November 2013

# 7 This is Namibia – Land of the brave!



Dies ist eins meiner Lieblingsbilder vom letzten Wochenende – aus den Sossusvlei Dünen im Süden Namibias! Da wir das mit dem Selbstorganisieren nicht so ganz hingekriegt haben, haben wir uns dem Touri-Trip eines Backpacker Hostels angeschlossen...also sind wir, Ruth, Ferdi, Tim und ich, am Samstag morgen zu unmenschlichen Zeiten (für BAS-Freiwillige) gen Süden gefahren. Der Trip bestand aus nur einer Übernachtung, aber eigentlich hat das auch gereicht, denn in den zwei Tagen sind wir für Sonnenuntergang und Sonnenaufgang auf zwei Dünen geklettert, haben eine gruselige Nachtwanderung durch die Pampa Namibias gemacht, einen Mini-Canyon besichtigt, sind zum Deadvlei gewandert, haben ein paar Stunden am Pool verbracht und leckeres Essen gegessen. Für mich Sonnenkind waren diese morgendlichen Stunden auf Düne 45 das Highlight des Wochenendes. Es war super anstrengend so früh aufzustehen und dann auch noch auf eine Düne zu klettern, aber es war es definitiv wert!



Eine weniger spaßige Angelegenheit war die besagte Nachtwanderung, die uns eigentlich als „you guys are just gonna walk back so I can prepare dinner“ angekündigt wurde, dann aber statt einer halben Stunde eine ganze gedauert hat und der Geheimtipp, nicht der Straße zu folgen sondern die Abkürzung querfeldein „in direction of that mountain over there“ zu nehmen hat sich als sehr gewagt herausgestellt, weil wir uns plötzlich nicht mehr einig waren, auf welchen Hügel er gezeigt hatte, es auf einmal einfach dunkel war, plötzlich 50m von uns entfernt ein Oryx (mit Hörnern) rumstand und Ferdi fast auf eine Schlange getreten wäre... Naja, wir sind dann doch irgendwie angekommen und haben überlebt J Als Stärkung gab es dann einen leckeren Braai (François hat gegrillt) mit Lamb Chops, Boerewors (Bratwurst), gegrillten Kartoffeln und Squash gefüllt mit Mais – deluxe! Übrigens ist die Oryx-Antilope das Wappentier Namibias, was François auch jedes Mal mit einem „Oryyyyyx on your right – SALUTE!“ gefeiert hat. Außer das François uns auf Hin-und Rückfahrt sehr viel über Namibia, Geschichte, Kultur Landschaft und Vegetation erzählt hat, hat er jedes Ereignis mit „This is Namibia – Land of the brave“ kommentiert... ein sehr stolzer Namibier, unser gute-Laune-Guide J

Am nächsten Morgen haben wir also um 4 Uhr unsere Zelte abgebaut, einen Kaffee geschlüft und sind Richtung Sonnenaufgang gefahren. Nach der Düne 45 stand eine Wanderung zum Deadvlei an (dort war mitten in der Wüste ein kleiner See, jetzt findet man nur noch eine Lehmschicht und abgstorbene Bäume) und haben ein paar Touri Fotos geschossen – Crazy Daddy, eine der höchsten Dünen der Welt haben wir dann nur noch von unten bestaunt...es ist so anstrengend auf dem Sand zu laufen! An der Tankstelle neben der Campsite hatte es mittags 42 Grad...




Auf der Fahrt in den Süden sind wir übrigens an einigen kleinen Siedlungen vorbeigekommen, wo ein paar Leute quasi mitten im nirgendwo mit ihren Schafen, Eseln und Pferden leben. Auf der Hinfahrt ist plötzlich aus einem der Häuser eine zierliche, junge Damara-Frau mit den Armen fuchtelnd auf uns zu gerannt gekommen und wollte ein Stück mitgenommen werden. Da kurz darauf Schwester, Mann, Kind, Baby und Großmutter mit Gepäck hinterherkamen, dachten wir schon jetzt wird’s eng, aber im Endeffekt wollte nur zwei Frauen und Baby mit. Rausgelassen haben wir sie ein paar Kilometer weiter, als am Straßenrand zwei Esel auftauchten. Häuser haben wir da keine gesehen. Witzig war aber, dass die gleiche Frau auf der Rückfahrt wieder angerannt kam und wieder mit zurückfuhr. Da François auch Damara ist (zumindest spricht), haben die zwei uns durch das Automikro einen Damara-Song gesungen...hihi.



Ausgerechnet an diesem Wochenende, wo wir nicht in Windhoek waren, hat es zuhause mal wieder geregnet. Es mag für euch unnachvollziehbar klingen, aber nach so zahlreichen Sonnenstunden in den letzten vier (!!!) Monaten, wünscht man sich tatsächlich des Öfteren Regenwolken, die uns eine kleine Abkühlung genehmigen... Ich dachte nicht, dass ich das jemals sagen werde, aber ich vermisse dich deutsches Herbst-Schmuddelwetter! Vor zwei Wochen hatte ich meine erste Erkältung/Husten in Namibia und es war echt unerträglich in der 24-Stunden-Hitze.

Meine neuste Entdeckung ist das Schwimmbad in Olympia (einem Stadtteil etwas außerhalb von Windhoek), wo ich eigentlich schon länger mal hinwollte, es aber nie geschafft habe. Jedenfalls habe ich mich gefühlt wie ein neuer Mensch, als ich letzte Woche zum ersten Mal nach Monaten wieder schwimmen war. Das Schwimmbad ist überraschend modern und ebenso preiswert, und da dort viele Weiße zum schwimmen hinkommen ist es auch nicht ganz so unangenehm im Bikini rumzulaufen.

Dieses „Weiß sein“ war in letzter Zeit ehrlich gesagt nicht so mein Ding, irgendwann kommt es wohl einfach mal zu einem Punkt, wo einem das ständige angelabert/angestarrt werden bzw. einfach offensichtlich anders zu sein und anders behandelt zu werden, zu viel wird. Vor ein paar Wochen hat einer versucht, mich zu überfallen als ich ausnahmsweise alleine durch Katutura gelaufen bin. Da ich meine Tasche aus Reflex festgehalten hab, hat er in mein Handgelenk gebissen. Ich trage nie wertvolle Sachen mit mir rum und zum Glück sind dann andere Leute näher gekommen, sodass er nichts mitgenommen hat und mir auch nichts schlimmeres passiert ist.
Keine Sorge, mir geht es gut – die ganze Sache belastet mich eher in der Art, dass ich wütend bin auf diese ganze „Ich bin schwarz, du bist weiß“ -Perspektive. Ich hatte meine vergammeltsten Kleider an, sah fertig aus und war komplett eingestaubt und trotzdem sah ich „überfallenswert“ aus, weil ich weiß bin. Weiße sind einfach reich, das ist hier wie ein Gesetz. Egal wie gut ich mittlerweile manche Namibier kenne, ich bin und bleibe weiß und anders. Oft finde ich das sehr schade, weil so in den Hintergrund gerückt wird, wer du wirklich bist, du bist ja ne Weiße (So extrem gilt das jetzt nur für Taxifahrer, die dich heiraten wollen oder Verkäufer, Leute, die du nicht kennst eben). Aber auf der anderen Seite muss man auch die Leute irgendwo verstehen, vor allem die, die außer Katutura/Windhoek in ihrem Leben noch nichts gesehen haben. Es wird ihnen ja hier auch noch täglich vorgelebt; die Weißen wohnen hauptsächlich in den „besseren“ Vierteln und haben ihre eigene Community. Arme Weiße, seien es Bettler, Hausangestellte oder Security Leute, gibt es hier nicht. In der Hinsicht bin ich als blonde Frau, die alleine durchs Township läuft, wohl eine einzige Provokation.
Dieser Kontrast von der Stadt nach Katutura und wieder zurück, den ich täglich erlebe, scheint mir einfach im Moment so krass, aber ich denke, das geht auch wieder vorbei und dann wird es auch wieder Tage geben, wo ich mich über die Kinder freue, die auf mich zugestürmt kommen und mich umarmen oder mir zurufen. Natürlich macht es immer noch super viel Spaß mit unseren (meistens) süßen BASKids und den 5. Klässern an den Grundschulen zu trainieren. 
Ich arbeite auch hart an meinem Oshivambo, eine Lehrerin von einer der Grundschulen gibt mir ab und zu ein bisschen Unterricht, sodass ich vielleicht bald mit einigen in ihrer Muttersprache smalltalken kann und mich so von dem restlichen deutschen Volk hier differenzieren kann...haha. Mein neues Lieblingswort ist Oshizizi, das heißt „grün“ :-).

Paula, Tochter meiner Lehrerin
Übrigens bin ich hier jetzt nicht ständig in Depri-Laune auch wenn das grad so klingt – ich bin immer noch sehr happy, diese Erfahrung machen zu dürfen und bereue keinen Teil davon! ...Es gibt schließlich immer und überall mal gute und mal schlechte Tage!
Zurzeit plane ich mit Ferdi und ein paar namibischen Freunden unseren Trip über Weihnachten und Silvester, der uns in den Norden Namibias, den Caprivi Steifen, zu den Victoria Falls und ins Nachbarland Botsuana führen soll. Am meisten freue ich mich auf Silvester, wo wir auf einem internationalen Music Festival direkt an den Victoria Falls sein werden. (www.vicfallscarnival.com).

Bevor es losgeht, stehen aber noch die letztens Exams der BAS Kids und unser Sommercamp an, das wir gerade kräftig planen. Eventuell werden wir neben vielen Anti-Basketball-Activities einen Erste-Hilfe-Kurs vom Roten Kreuz mitmachen und das State House besuchen können. Ob das wirklich klappt sehen wir dann... :-)

Der Monat November war etwas chaotisch an der Basketball Artists School, weil wegen der Prüfungsphase immer nur wenige Kids gekommen sind und für den ganzen Stoff, der für die einzelnen Fächer zu lernen ist, im Endeffekt nicht genug Zeit war. Auch in Namibia, wie wahrscheinlich fast überall auf der Welt, herrscht bei den Schülern die Einstellung, dass am Tag vor dem Exam zu lernen am effektivsten ist und völlig ausreicht. Naja! Die Awards Ceremony des letzten Trimesters konnten wir letzten Freitag auch endlich abhalten und viele Kids wurden ausgezeichnet.




Mitte Januar wird das neue Schuljahr beginnen und an der BAS steht ein Umbruch an. Für das Hauptprojekt werden wir neue, jüngere Kinder auswählen, und die bisherigen 20 Jungs und Mädels werden nur noch ab und zu für den Basketballteil kommen. Einige sind mittlerweile seit 3,5 Jahren dabei und im kommenden Jahr werden die allermeisten auf weiterführende Schulen gehen, die zu weit weg sind um pünktlich zur BAS zu kommen. Auch der Academics-Teil wird umstrukturiert und sich nicht mehr auf Hausaufgaben konzentrieren, sondern auf zusätzlichen Mathe- und Englischunterricht, der den Kids ein gutes Grundverständnis verschaffen soll, sodass sie besser auf ihre Exams, aber auch auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden.
Ebenso werden wir auch das Programm an den Grundschulen weiterführen um wiederum neue und jüngere Spielern im Rahmen von AGs bzw. Sportunterricht an die Grundlagen des Basketballs heranzuführen und die Sportart zu verbreiten.

Mehr Infos zu meiner Arbeit an der BAS habe ich auf der BAS-aktuell Seite eingestellt.

Ich nehme an, das war schon wieder viel zu viel Information auf einmal – sorry – aber hey, wer bis zum Ende angekommen ist, bekommt einen dicken Luftkuss! Und wer mir jetzt auch noch antwortet und ein Update aus seinem Leben gibt, hat eine sehr hohe Chance auf eine Weihnachtspostkarte straight from Namibia! Let’s go!

Ich vermisse euch alle sehr und sende wie immer ganz viel Sonne in die Heimat!

Kuss, Julia


Donnerstag, 31. Oktober 2013

#6 Life

Ach herrjee, ich sag das irgendwie immer, aber meins echt ernst - Die Zeit rast und ich komm gar nicht hinterher mit dem bloggen hier.

Während ihr bald Adventskalenderfenster öffnet, öffne ich weiterhin fleißig meine Zimmerfenster um die bestmögliche Zusammensetzung von frischer Luft und Faltern/Mücken in meinem Zimmer zu erzielen. Ich hoffe, dieses Wetter hier gehört jetzt endlich offiziell zum Sommer, ansonsten weiß ich nicht, wie sich das noch groß steigern soll! Auf dem Court ist es nachmittags jetzt richtig heiß und ohne ausreichend zu trinken bzw. Sonnencreme auch nicht auszuhalten. Unser warmes Wasser haben wir schon vor ein paar Wochen abgestellt – aber das kalte Wasser ist eigentlich auch nicht mehr kalt, weil sich die Wasserrohre durch die Sonne auch aufheizen. Immerhin geht aber so auch unser Stromverbrauch ein bisschen runter und man muss seltener zum Prepaid-Strom-Automaten gehen :-). Ganz praktisch sind übrigens auch die Ein-/Ausschalter an jeder Steckdose, die einem ebenfalls zumindest den Eindruck geben, energiesparend zu leben...

Hier noch ein paar andere Sachen, die ihr vielleicht nicht wusstet;-)

  •        Ich bin euch jetzt eine Stunde voraus!
  •        Sonnencreme kostet hier ca. 11 Euro.
  •        Omilonganhatunondigoye ist die Zahl 39 auf Oshivambo...glaub ich.
  •        Namlish- Sprachkurs :
„now“ – später
„now-now" - gleich
„now-now-now“ – jetzt

 „No moss“ – nee mann
  •        Windhoek ist 8.036,94 km von Landau entfernt, zu fahren wären das 11.616 km...
  •        In WHK gibt es keine Postleitzahlen bzw. keine Briefkästen
  •        In Namibia ist Helmpflicht für Radfahrer
  •        Es gibt Orte in Namibia, bei denen es seit zwei Jahren nicht mehr geregnet hat.
  •        Mein Oshivambo-Name ist „Pelombe“...
  •        Waschmaschinen sind eine einzigartige Erfindung.


Ansonsten waren die letzten Wochen sehr ereignisreich:

Ende September waren wir ein Wochenende im Etosha Nationalpark... Aber nicht wegen der Landschaft, die vor Beginn der Regenzeit und dank der gravel roads sehr grau war, sondern wegen Elefant, Giraffe, Zebra, Nashorn, Kudu, Oryx, Springbock, Schakal, Honigdachs, Gnu, Hyäne, Kaninchen, und Strauß (und...?)! Wir haben also alles mögliche zu Gesicht bekommen – außer einen Löwen. Next time! Ein besonderes Spektakel hat uns eine Elefantenherde (ca. 25 Tiere) geboten, die plötzlich in der Ferne aufgetaucht ist, als wir an einem Wasserloch Halt gemacht haben. Mehr als zwei Stunden haben wir die elephants beobachtet und sämtliche Beziehungen analysiert... es war so beeindruckend – besser als jede Tierdoku.
Witzig sind jedenfalls die Wasserlöcher bei den Camps, wo sich an mehreren Tageszeiten richtig die künstlich angelegten Tribünen füllen... Vor allem wenn sich die Extrem-Tierfilmer-Touristen mit Stativ, Nachtkamera, Ziphosen und kariertem Hemd einfinden, die dir bei jeder deiner Bewegungen einen bösen Blick zuwerfen. Ich war für diese Angelegenheit eindeutig zu ungeduldig, aber nachdem wir in der ersten Nacht von Weitem 2 Nashörner gesehen hatten, war es in der zweiten Nacht umso witziger als die Spannung durch ein zum Wasser hoppelndes Kaninchen unterbrochen wurde, das natürlich auch von allen Objektiven gleich eingefangen wurde. Ich hab mich gefühlt wie bei der „Versteckten Kamera“ und wir beschlossen durch unsere Lachattacke nicht weiter zu stören und zum Zelt zurückzugehen.

Vor kurzem wurde dann meine Afrika-Tier-Kollektion noch um einige Geparden- und Leopardenbilder erweitert als wir auf der ältesten Lodge Namibias („Düsternbrook“) campen waren. Natürlich waren die Katzen nicht komplett wild, sie sind von der Camping Area abgetrennt und werden täglich gefüttert. Weil sie das gewöhnt sind, konnten wir auch so nah an sie ranfahren...es war aber trotzdem faszinierend – Vor allem Leoparden sind einfach wunderschöne Tiere. Cool war, dass wir dort auf der Farm direkt im Flussbett campen konnten und ab und zu mal ein paar Pferde, Gnus, Kudus, Pumbas und leider auch Baboons vorbeigekommen sind.Die Nächte waren spannend....Wildlife pur jedenfalls;-)




Man wird ja so schon relativ oft mit deutschen Dingen konfrontiert hier, aber letztes Wochenende kam der Höhepunkt: Oktoberfest in Windhoek. Das Bier war tatsächlich echt nicht schlecht und die original Oktoberfestband „die Kirchdorfer“, die aus München eingeflogen wurde, hat ordentlich Stimmung gemacht. Eine Scheibe Leberkäs’ mit Kartoffelbrei hat den Tag dann perfekt abgerundet...:-)

Hier könnt ihr mal reingucken...

Was gibt’s sonst noch Neues....
Frank, unser Chef, ist nach seinem Deutschlandurlaub wieder zurück in Namibia und an der BAS. Die Trainingsverteilung haben wir jetzt etwas verändert, sodass Ferdi und ich ein bisschen weniger Verantwortung haben als die letzten Wochen. Aber es ist gut, dass Frank nach dem Ende seines Langzeitprojekts und der Arbeit beim namibischen Basketballverband jetzt mehr Zeit für die BAS hat und somit jetzt hoffentlich bald auch der Bau unseres eigenen Klassenzimmers Realität wird.
Die Kids sind nach wie vor meistens very sweet und es macht weiterhin sehr viel Spaß, an der BAS zu sein. Auch wenn wir jetzt in die Exam-Phase kommen und alles ein bisschen chaotischer zugeht... Aber ab Anfang Dezember sind Sommerferien und im neuen Jahr kommen dann alle in eine neue Klassenstufe und es wird einige Veränderungen geben. Es bleibt spannend!

Mittlerweile haben Ferdi und ich es auch tatsächlich geschafft, unser kaputtes Fahrrad reparieren zu lassen, sodass wir endlich auch apart von Taxis mobil sind. Allerdings hatte ich bisher immer noch Angst, dass es früher oder später auseinanderfällt bzw. haben die Berge sowie der Verkehr mich ein bisschen abgeschreckt...sodass bisher eher Ferdi der Hauptnutzer war... aber was nicht ist, kann ja noch werden. Fahrradfahren hat schon was ;-)
Mit meinem Basketball-Team, den Sparks, haben wir leider in den Play-Offs-Finals (Best of 5) bitter verloren und wurden also nur 2. Das ganze war für mich eher eine frustrierende Angelegenheit im Endeffekt... aber solange man versucht, nicht zu erwarten, dass alles klappt, was man sich vorstellt und es schafft, über den Schirientscheidungen zu stehen, macht es auch Spaß hier zu spielen... :-)

Verrückt, es ist schon November... diesen Monat werden wir hoffentlich auch noch ein, zwei Mal übers Wochenende wegfahren (Ziel sind die Dünen von Sossusvlei) und dann ist auch schon Dezember...Sommerferien...Weihnachten..Silvester... In der Zeit wird an der BAS nichts los sein und wir versuchen eine größere Tour irgendwo im südlichen Afrika zu planen. Genaueres steht noch nicht fest, aber die Reisegruppe ist noch nicht komplett, Besucher sind also jederzeit willkommen in Windhoek und dürfen gerne mitkommen! :-)

So, mal wieder genug getextet, ich versuche, dass ab sofort regelmäßiger und kürzer zu gestalten, promise ;-)

Meldet euch, erzählt mir vom Winter, was gibt’s Neues in Germany?
Ich schicke euch ganz viele warme Sonnenstrahlen und liebe Grüße!


Julia

Donnerstag, 19. September 2013

#5 Wüste statt Purzelmarkt

„Hast du Lust übers Wochenende nach Swakop zufahren und kannst in 'ner halben Stunde mit deinem Zeugs bei mir sein?“

So hat letzten Freitag der spontanste Trip meines Lebens begonnen. Nach einer zweistündigen Fahrt auf der Teerstraße Richtung Westen mit Ruth (Praktikantin bei der GIZ und ehemalige weltwärts-Freiwillige) und Marcel (Mitarbeiter der GIZ in Deutschland; zu Besuch) und meinem ersten Gravel Road-Abenteuer, sind wir dann bei Dunkelheit Nähe Ukasos bei der Lodge Ameib angekommen. Während den letzten 40 Minuten fernab von der Teerstrasse habe ich nicht nur den typischen Gravel-Road-Geruch kennengelernt, sondern auch feststellen dürfen, dass bei offenem Fenster blitzschnell alles mit einer Staubschicht überzogen ist und dass die Fahrt bei Dunkelheit, drückender Blase und plus 60 km/h, Silverstar-Qualitäten hat. Das Highlight meines Freitags war aber auf jeden Fall unsere überraschende und völlig untypische Begegnung mit einem wilden Bergzebra, was wenige Kilometer vor der Lodge im Strahl unserer Scheinwerfers kurz wie angewurzelt stehen blieb und uns frech angrinste. Wir hätten es fast noch übersehen, ist doch das Auto erst ca. 2 Meter vor dem Tier zum Stehen gekommen. Ich war natürlich total aus dem Häuschen und wieder hellwach.
An der Lodge angekommen, bekamen wir glücklicherweise auch zu später Stunde noch einmal das Buffet aufgebaut und neben Kudu, Wildsalami, Rauchfleisch, Reis, Gemüse, Salat, leckeren Pfannkuchen, gab es auch panierte Schnitzel :-). Die Besitzer waren, wie so oft, Deutsche.
Als Ruth und ich am nächsten Morgen aufgewacht sind, konnten wir es kaum glauben, als wir vor unserem Fenster riesige Felsformationen sahen, von denen wir am Vorabend nicht die geringste Ahnung hatten. Das reichhaltige Frühstück (es gab Körnerbrot!), hat dann auch die 650 NAD für die Übernachtung wieder ein bisschen wettgemacht und wir sind gleich danach die wenigen Kilometer zur Bull’s Party und zum Elephant’s Head gefahren. Es war wirklich beeindruckend, dort plötzlich nur von der sich ewig hinziehenden Felslandschaft umringt zu sein, waren wir doch 15 Minuten vorher noch in unserem Doppelzimmer in der Lodge. Ganz in der Nähe befindet sich die Phillip’s Cave, wo wir dann auch hin gewander-klettert sind. Der Hike war interessant, auch gut anstrengend in der Mittagssonne, aber oben angekommen erwartete uns am eigentlichen Ziel neben dem tollen Ausblick nur verblasste Felsmalereien, die ich als eher unspektakulär empfand....

Nachmittags haben wir uns wieder auf den Weg gemacht und haben dann gegen 16.00h Swakopmund erreicht. Ist ja echt süß da! Natürlich war es erstmal toll mal wieder am Meer zu sein; vor allem hat mich das Bild eines Stegs ganz in der Nähe unserer Unterkunft total an Carmel erinnert. Der Strand war genauso windig und der Atlantik genauso eisig wie der Pazifik immer war... Die Erkundung der Stadt war sehr bald abgeschlossen, das „Stadtzentrum“ ist wirklich nicht sehr groß. Lustig war nur immer wieder die altdeutschen Bauten zu sehen, die aber so unecht aussahen, dass wir uns gefühlt haben, als wären wir im Disneyland.
Dinner gab es dann im Restaurant Tug (sehr zu empfehlen), direkt am Ufer, mit Sonnenuntergang und einem sehr leckeren Menü. Zurück in unserer Unterkunft mit dem Namen Prinzessin Rupprecht (ein ehemaliges Krankenhaus und Pflegeheim), war der Tag voller Vorfreude auf die bevorstehende Wüstentour doch relativ schnell beendet.

Am nächsten Morgen ging das Abenteuer Namib dann los. Mit unseren Guides und ca. 10 anderen Touristen sind wir mit zwei Landcruisern losgefahren in das gelbe Meer. Der erste Teil der Tour war den Bewohnern der Wüste gewidmet und von Spinne über Käfer zu Chamäleon, Schlange und Gecko haben wir alles gesehen. Faszinierend wie diese kleinen Tierchen sich der zweittrockensten Wüste der Welt angepasst haben und dort seit Jahren überleben. Die zweite Hälfte der Tour bestand aus Dünencruisen... ging ganz schön ab! Ruth und ich saßen in der hintersten Reihe des Landcruisers und mussten uns immer von der Decke weg in die Sitze drücken, hallo Adrenalin ;-)
Fazit: Ein wunderschönes Wochenende... da lohnt es sich doch mal, alles stehen und liegen zu lassen an einem Freitagabend! -->Bilder aus Swakop gibt’s in der Fotogalerie!:-)

Ansonsten ist alles bestens. Meine Arme werden bräuner, mein Bauch immer weißer und meine Haare immer blonder. Life is good.
Aber diese Woche war dann doch relativ anstrengend, vor allem weil es jetzt jeden Tag heißer wird und die Kids quengliger. Ich will nicht wissen, wie ich im Dezember stundenlang auf dem Court stehen werde...
Naja, mir geht es wirklich gut hier, es ist irgendwie immer was los und jeder Tag bleibt spannend. Ich hoffe, ihr verkraftet das Ende des Sommers.... sonnige Grüße in die Heimat:-)

Julia


P.S. Es ist auch ein neuer BAS.Blog-Eintrag erschienen: http://www.parkettgeschichten.de/bas-blog-16-bas-girls-gewinnen-silber

Montag, 2. September 2013

#4 National Coach Julia ist zur Stelle

Seit meinem letzten Eintrag sind ja doch schon wieder einige Tage vergangen... die Zeit fliegt hier einfach! Dadurch, dass es noch so früh dunkel wird zur Zeit fühlen sich die Tage extrem kurz an und ich denke oft, dass es schon viel später ist, als es tatsächlich ist. Die Sonne macht ihr frühes Verschwinden aber immer wieder gut, indem sie den GANZEN Tag lang scheint – und das JEDEN Tag. Auf Wolken kann man hier im Inland lange warten  und was man anzieht, kann man auch schon eine Woche vorher planen. Einfach genial, diese namibische Sonne.
Wie ihr vielleicht schon gesehen hab, habe ich einige Bilder hochgeladen. Die meisten davon sind von unserem zweiten Wochenende in Windhoek, als wir mit unseren Kids auf ein wunderschönes Gelände namens PENDUKA am Goreangab Dam gefahren sind. Dort sind Werkstätten, in denen von Hand namibische Souvenirs hergestellt werden, die weltweit verkauft werden. Außerdem gibt es ein Restaurant und Zimmer bzw. Hütten, in denen wir zweimal übernachtet haben. Bei unserem Programm war von backen über singen und tanzen bis zur Schnitzeljagd alles dabei und alle Teilnehmer hatten sehr viel Spaß. Die Kids, die im letzten Term sportlich am erfolgreichsten waren, haben bei unserer Award Ceremony von Coach Frank einen Gutschein für einen Game Drive bekommen. NEID!

Auf das Camp folgten dann zwei Wochen Ferien, die jetzt fast vorüber sind. Nächsten Dienstag beginnt das neue Trimester und somit auch unser Alltag an der BAS. Die alten Freiwilligen Fabi und Lena haben wir leider diese Woche zurück nach Deutschland gehen lassen müssen....dank ihnen, ihren Tipps und allem, was sie uns gezeigt haben, hatten wir wirklich einen sehr guten Start und kennen uns jetzt schon einigermaßen gut aus in Windhoek. Auch wenn wir sie jetzt ablösen durften und wir uns sehr auf das Jahr freuen, bin ich doch echt gespannt wie diese ersten Wochen so werden. Noch dazu kommt, dass Frank, der Veter der Basketball Artists School und unser Chef, die nächsten zwei Monate in Deutschland sein wird und uns wenn überhaupt nur per Internet zur Seite stehen kann. Ich halte euch auf dem Laufenden, wie das alles so wird!

Windhoek lerne ich jeden Tag ein bisschen besser kennen und so langsam hab ich auch verinnerlicht, dass Namibia meine neue Heimat ist. Obwohl es eine sehr kleine Hauptstadt ist, wirkt Windhoek riesig für mich. Die vielen unterschiedlichen Stadtteile sind wie kleine Dörfer und bis ich immer weiß wie ich von A nach B komme, dauert es sicher noch eine Weile. Vor allem für die crazy Taxifahrer muss man immer einen bekannten Standort in der Nähe des Ziels kennen, sonst bringen sie einen hin, wo sie wollen. Unsicher wirken ist direkt ein Fehler, sonst bekommt man Touri-Aufschlag oder gar eine Stadtrundfahrt. Aber so langsam gewöhne ich mich an mein Fortbewegungsmittel Taxi und meistens ist es echt ganz witzig.
Im Taxi kann man vor allem sehr gut beobachten, was sonst noch so auf der Straße abgeht. Alltägliche Beobachtungen sind zum Beispiel Autofahrer, die einen der zahlreichen Speed Humps zu spät sehen und dann leicht abheben beim drüberrasen. Ob ich schon grüne Fußgängerampeln gesehen hab, weiß ich gerade gar nicht. Rotes Ampellicht bedeutet eigentlich hier für Fussgänger eher RENN SCHNELLER! Leider deuten das aber auch Taxifahrer oft so und fahren bewusst über rot, es ist echt ein Wunder, dass ich noch keinen Unfall gesehen habe. Witzig finde ich Baustellen: So viele Blaumänner auf einem Fleck. Bei uns in der Nähe stehen jeden Morgen 15 Männer am Straßengraben und buddeln im Takt; von einem Bagger keine Spur. Generell gibt es hier immer viel mehr Angestellte als bei uns. Von Kleidergeschäft bis Supermarkt, man sieht manchmal mehr Mitarbeiter als Kunden, der Stundenlohn ist wohl echt nicht hoch.
Witzig finde ich noch, dass vor den Treppen im Wernhil (Mall im Stadtzentrum, 15 Min zu Fuß) immer Stau ist, weil viele Leute hier Angst haben vor Rolltreppen. Ich weiß nicht genau, an was das liegt, aber man muss aufpassen, dass man niemanden rempelt, der sich erst überwinden muss, auf die erste Stufe zu treten.

Namibier sind im Durchschnitt eher kleine Leute, denn Straßenschilder hängen hier meistens auf 1,80m oder tiefer, was schon so manche Kollision von deutschen Basketballspielern mit Schildern verursacht hat...
Was man sonst noch oft am Straßenrand sieht, vor allem im Township sind Leute die „Kapana“ verkaufen. Das ist frisches Fleisch vom Rind, was man direkt vom Grill kaufen und mit einem speziellen Gewürz essen kann. An größeren Standorten in Katutura kann man dazu Tomaten-Zwiebel-Salat und „vetkoeks“ (frittierte Hefeklöße, erinnern mich an Oma’s Fasnachtskichle) kaufen und hinter den Grills sieht man dort auch tote Kühe und Leute, die das Fleisch frisch zubereiten. Die Hygiene ist eine Sache für sich, aber schlecht schmecken tut es nicht.
Leider gibt es außerhalb von der Innenstadt und den Malls sehr wenige Mülleimer, sodass man dort viel Abfall herumliegen sieht. Noch dazu kommt, dass du einen Supermarkt nur verlassen darfst, wenn du deinen ganzen Einkauf in Plastiktüten verpackt hast. An jeder Kasse sind also zwei Mitarbeiter, einer kassiert, einer packt Tüten. Doof ist, dass die Tüten in Massen ausgegeben werden und so viele Mülltüten braucht kein Mensch zu Haus. Zum nächsten Einkauf mitbringen macht auch niemand und wahrscheinlich würde man dann auch noch Stress mit den Security Guards bekommen. Plastik Plastik Plastik everywhere.
Security Guards. Die sind auch überall. Bekommen das geringste Gehalt überhaupt (ich habe gehört Standard sind 3 N$ also 35 cent pro Stunde) und sind dementsprechend zuverlässig. Als unsere Umkleiden an der BAS vor zwei Wochen aufgebrochen wurden, wurde auch der Security Guard verhaftet.
Für die BAS hat dies bedeutet, dass ein neues Aufbewahrungssystem hermusste, weil zum wiederholten Mal ein Großteil der Schuhe und Trikots weg war. Die neuste Lösung ist jetzt ein Container, der mit speziellen Schlössern verriegelt werden soll und im Garten der Familie eines Kindes steht. Ich hoffe, jetzt passiert nichts mehr...

Zurück zum Essen: Namibier lieben Fleisch. Als Vegetarier findet man sicher nicht in jedem Restaurant das richtige, und Obst, aber vor allem Gemüse ist generell nicht so beliebt. Es wird viel Wild gegessen (Kudu, Oryxantilope, Ehland), aber auch Rind und Chicken , Schwein eher weniger. Letzte Woche waren wir mit Frank in Windhoeks edelstem Hotel essen, der Heinitzburg, dort habte ich sogar Taube probiert. In „Joe’s Beerhouse“ gibt es auch Haxn und Sauerkraut und andere deutsche Spezialitätetn, aber da hat es mich jetzt noch nicht hingezogen. Sehr namibisch ist auch Pap, also Brei aus Maismehl. Davon gibt es verschiedene Arten und namibische Familien essen es so gut wie jeden Tag in Kombination mit allem, so weit ich weiß. Unsere Mädels hier in der WG machen das auch öfters Mal. Ihr solltet die Maismehlbehälter hier sehen ! Ein klassischer Nachtisch ist Malva-Pudding, das werde ich wohl als nächstes mal ausprobieren. Fotos folgen.

Ansonsten habe ich diese Woche die namibische Mentalität bezüglich Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit relativ gut kennengelernt, ich war nämlich beim Nationalmannschaftscamp der U17 und den COSSASSA Games 2013 dabei. Vor einer Woche war der Austragungsort noch in Lesotho, dann wurde entschieden, die Games in Namibia durchzuführen. Fünf unserer BAS Mädels wurden bei den Try-Outs ausgesucht und als sie letzten Montag die Einladungen erhalten haben, wusste man noch nicht wann und wo es am nächsten Tag (Dienstag) losging. Ich sollte als Assistent von Coach Francina dabei sein. Der erste Tag war wirklich interessant, die erste Trainingseinheit bestand aus Freiwürfe werfen und eine Stunde früher Schluss machen. Nachmittags hat Frank das Training gemacht und durchgegriffen, aber dabei blieb es auch, als am nächsten Tag die eigentlichen Trainer wieder da waren. Aber die Kids hatten alle „schlechtes Essen“ bekommen und keiner war fit nach nur 4 Stunden Schlaf. Spontan sollte ich dann eine Defense-Einheit machen – alles klar! Nachmittags wurde das Training gecancelled, so wie auch am Tag danach, ist ja schließlich doof, wenn nicht alle da sind. Jou. An beiden Tagen habe ich am Court gewartet und ca. 20 Minuten nach offiziellem Trianingsstart erfahren dass es abgsagt wurde. Gut. Samstag und Sonntag ist ja Wochenende, Montag Feiertag und heute...hmmm gestern habe ich durch Zufall erfahren, dass keiner der Trainer da ist und ich das Training machen soll. YES! National Coach Julia ist zur Stelle:-) Im Endeffekt hat mir wieder keiner mitgeteilt, dass sie heute Morgen auf einen anderen Court gegangen sind und ich hab wieder ein paar mal mehr die Stadt durchquert. Endlich angekommen, nur 6 von 12 Spielern konnten das Training komplett mitmachen. Die anderen wurden am Rand von einem Sani massiert und untersucht, weil sie eine Verletzung haben. Für mich war das zu viel Ironie auf einmal. Die Mädels können teilweise noch nicht mal richtig den Links-Korbleger. Die Coaches selbst finden immer eine Ausrede für alles und die Kids übernehmen das Verhalten natürlich so. „I’m too hungry, I can’t play.“ In Deutschland fliegt man da raus. Aber ja, National Team ist eben offensichtlich nicht National Team! Auf Dauer würde ich mit dieser Arbeitsweise eher weniger klarkommen, aber ich bin wohl einfach zu deutsch! Witzig find ich immer noch, dass ich hier ankomme und zwei Wochen später einer der National Coaches des u17 Teams bin. Was `ne Karriere!
Bei den COSSASSA Games war ich dann auf einmal der u17 Boys Team Manager und habe gemanaget was ging. Eigentlich war ich aber dann doch bei meinen Mädels Assistant Coach dabei und wir haben nach drei aufregenden Spielen gegen Botswana, Sambia und Simbabwe Silber geholt :-). Die Mädels haben sich echt gefreut.


Ja, das waren so meine letzten Wochen...ich bin jetzt schon 24 Tage hier, fast ein Monat, unfassbar!
Aber man erlebt hier echt einiges, was einem immer wieder die Augen öffnet. Bisher kenne ich von Namibia bzw. Afrika ja nur Windhoek und ich vermisse Deutschland schon ab und zu. Vorallem Familie und Freunde, weil ich hier noch kaum Leute gut kenne, aber auch Deutschland generell. Du kannst hier auf nichts richtig vertrauen was dir gesagt wird, Leute sind unzuverlässig, Behörden bestechlich bzw. brauchst du für alles Geduld, Geduld, Geduld. Es gibt keine normale Post, wenn du von A nach B willst, musst du ein Taxi nehmen und jeder Mann, der dich anspricht will Geld, ein Bild machen oder hat andere Hintergedanken und findet es aufregend, dass du eine weiße Frau bist. Dinge wie Freunde finden, alleine unterwegs sein (joggen), einkaufen, sind alle leichter als Mann…Mir ist jetzt noch nichts passiert und ich merke schon wie ich immer selbstsicherer und lockerer werde jeden Tag, aber trotzdem weiß man eben nie was passiert. Und du kannst auch nicht konstant mit Leuten unterwegs sein, manchmal hat man ja auch einfach alleine was zu besorgen/einzukaufen wie auch immer. Naja, ich werd mich dran gewöhnen müssen. 

Daneben ist wohl der größte Unterschied, dass ich von zu Hause ausgezogen bin, unabhängig von der neuen Umgebung Das Essen ist im Durchschnitt genauso teuer wie in Deutschland und man merkt es schon, wenn man plötzlich alles selbst kaufen muss, was man essen will. Vor allem, was mir vorher nicht so bewusst war, ist, dass ich ja ausgezogen bin ohne irgendwas mitzunehmen außer meinen Kleidern. Die Basics wie Teller, Besteck, Tisch, gibt es ja hier in der Wohnung, aber ich merke jetzt richtig, wie selbstverständlich zu Hause immer alles ist, was man hat - und wenns nur der Karottenschäler oder die Küchenwaage ist… Aber ja, Dinge wie Heizung, Rolladen oder Waschmaschine sind schon auch ganz cool ;-)

So, schön, wenn jemand bis zum Ende gelesen hat, danke dafür :-) In Zukunft werde ich wohl einfach öfter und kürzer schreiben. Bin jetzt irgendwie noch nicht dazugekommen und für eine Stunde Internet bezahle ich 10$ und das hochladen dauert immer so lange, vor allem bei Bildern. 10$ sind bei diesem überragenden Kurs im Moment zwar nur 73cent, aber eine Stunde kann sehr schnell umgehen ;-)

Ich vermisse euch alle sehr und hoffe, euch geht’s gut. Freue mich immer, wenn mir jemand schreibt, bekomme relativ wenig mit, was so abgeht in der Welt. Bei uns ist jetzt übrigens wieder die gleiche Zeit wie in Deutschland, habe gestern Mittag um 2 also um 3 rausgefunden, dass die Uhr umgestellt wurde…haha.

Küsschen in die Heimat!




Sonntag, 11. August 2013

#3 Ich bin hieeer!

Hallo ihr Lieben!

Ich habe tatsächlich den Flug überlebt und bin gut angekommen :-) Freitag morgen um 5:30h Ortszeit, pünktlich zum Sonnenaufgang, sind wir bei 10 Grad in Windhoek gelandet. Der Flug war nicht so angenehm, ich konnte nur wenig schlafen und Bildschirme zum Filme gucken waren uns auch nicht vergönnt.... aber der superschöne Morgenhimmel und das Gefühl, einfach endlich den Stress hinter mir lassen zu können und angekommen zu sein, hat alles wieder wettgemacht.




Die Einreise war auch kein Problem nachdem unsere Papiere ausführlich studiert wurden...und dann war auch schon Frank da und hat uns abgeholt. Mein Zimmer in der WG ist in Ordnung, relativ klein, aber das passt schon. Zurzeit teile ich mir die 10 qm noch mit Ferdi, weil die alten Freiwilligen Fabi und Jonas noch in dem anderen Zimmer wohnen. Bilder schiesse ich bald, dann seht ihr mal wie's hier aussieht! Es ist übrigens super für uns, mit den zwei Jungs hier zu sein, weil sie sich ja nach einem Jahr jetzt echt gut auskennen und uns ganz viel zeigen und Tipps geben können. Schade, dass sie bald abreisen... Dann geht das Leben hier wohl erst richtig los. Bis dahin werden wir im Projekt noch zusammen sein, und Ferdi und ich können uns alles angucken und sind schon ein bisschen inspiriert, wenn wir dann loslegen dürfen. Ja, am nächsten Wochenende findet ein Willkommens- und Abschiedscamp für die Freiwilligen und die Kinder statt. Da fahren wir auf ein Farmgelände an einem See, übernachten da zweimal und machen sämtliche Activities mit den Kids - Ich freu mich! Die Kinder sind suuuuper... sind total begeistert für Basketball und auch sehr dankbar, dass es das Projekt gibt, dass wir hier sind und mit ihnen trainieren, Hausaufgaben machen etc. Im Moment sind es 20 Stück, aber wenn irgendwann unser eigenes Klassenzimmer steht, kommen noch einige dazu.
Ich war jetzt erst einmal wirklich dabei beim Tagesprogramm, am Freitag, aber ich glaube es wird super viel Spass machen, mit den Kids zu arbeiten und generell mit ihnen Zeit zu verbringen. Das ganze hier ist echt ne super Sache. Wenn ihr sehen wollt wie süß sie sind, hier ein Youtube - Link von einem Video, was sie für ihre Paten in Deutschland gedreht haben um danke zu sagen.
http://www.youtube.com/watch?v=jQ8t-i--G-g&feature=youtu.be&noredirect=1


Ja, ansonsten zu Windhoek, allgemein. Es ist echt krass hier! Man sieht so viele coole Sachen, ich bin echt noch wirklich geflasht, kann noch gar nicht alles wiedergeben, was ich hier schon gesehen hab in den letzten 2 Tagen. Auf dem Weg vom Flughafen sind wir an Ludwigsdorf vorbeigefahren, dem reichsten Stadtteil von Windhoek. Nachmittags bin ich dann in Katutura gewesen, im Township, wo unser Projekt ist. Den Clash zwischen arm und reich findet man hier auf so kleinem Raum, wir glauben es ist einer der stärksten Kontraste in der Welt. Unser Stadtteil heißt Windhoek-West, das ist so ein Zwischending...aber viele Leute hab ich da noch nicht gesehen. Ansonsten gibts ÜBERALL Taxis, ich glaube so 10.000 in ganz Windhoek. Und die fahren natürlich alle auf der linken Seite... An den Linksverkehr muss man sich echt erst gewöhnen...hat schon für einige Herzklopfer gesorgt :-)
Ansonsten ist es natürlich als Weiße nicht so einfach hier...zumindest kommt's mir im Moment noch so vor. Es gibt zwar viele Deutsche und auch weiße Namibier, aber die sind glaub ich eher so unter sich... vor allem im Township sieht man sonst keine Weißen. WEISS bedeutet hier einfach REICH. Ohne Ausnahme. D.h. man bekommt immer Geld draufgeschlagen, bzw. wird einfach so angeguckt. Unsicher fühle ich mich eigentlich nicht, war aber auch noch nicht alleine unterwegs. Vor allem dass es abends schon so früh dunkel wird (im Moment halb 7=stockdunkel), macht mir die meisten Sorgen. Außerdem muss man ja überall mit dem Taxi hinfahren, und das bin ich eben gar nicht gewöhnt und hoffe, dass ich da relativ bald selbstsicher genug auftreten kann, um nicht abgezockt zu werden. Aber wenn man vorsichtig ist, dann sollte nichts schlimmeres passieren. Jeder Freiwillige hier ist schon mindestens bei dem 3. Handy, das ist also anscheinend nicht zu vermeiden, dass Handy oder Geld mal geklaut werden...Ich werde mein bestes geben.
Unglaublich fasziniert bin ich von der Sprachenvielfalt hier. Du läufst durch die Straßen und die begegnen so viele verschiedene Dialekte/Sprachen, es ist echt cool. Eigentlich kann jeder hier 2 Sprachen, und oft noch mehr. Oshivambo ist wohl die häufigste Muttersprache, das wird auch mein Ziel sein, die zumindest ein bisschen zu lernen. Ansonsten gibts natürlich Englisch (meist mit verkorkster Grammatik), Damara, Afrikaans, und die andern muss ich erst noch kennen lernen :-) Ich hab ein bisschen Angst, dass mein Englisch in einem Jahr nicht mehr brauchbar ist, weil ich mich wahrscheinlich hier so dran gewöhnen werd. Naja...man kann nicht alles haben :-) Abends wirds zurzeit super kalt. hier wärmt dich nur die Sonne, und sobald es dunkel ist oder du im Schatten stehst ist es suuuuuper kalt. Fleecejacke-Softshell-Schal haben mich nicht richtig aufgewärmt gestern abend... Aber ich bin optimistisch und warte auf den Frühling!

Auch wenn die Freiwilligen es echt draufhaben hier und wir in große Fußstapfen treten müssen, freue ich mich richtig auf das Jahr, und denke dass die Arbeit mit den Kindern richtig viel Spass machen wird. Aber ich merke schon, die Zeit wird auch hier rasen...also bis bald :-) Liebste Grüße in die Heimat!


Montag, 5. August 2013

#2 Der Wahnsinn.

HILFE!

Genau jetzt in 3 Tagen werde ich mich langsam aufmachen zum Flughafen...aaaaaaahhhhdlkafjlsk! Ich fliege am Donnerstag um 20.10h in Frankfurt ab und erreiche Windhoek morgens um 5.30h - wenn alles gut läuft. Zeitverschiebung ist 1 Stunde zurück. Mein Mitfreiwilliger Ferdi aus Bamberg fliegt zum Glück mit mir zusammen hin und die Chancen sollten dadurch ganz gut stehen, dass nichts schief läuft :-)
Dort am Flughafen holen uns dann Frank, der Dienststellenleiter, und Lena und Fabi, die jetzigen Freiwilligen ab. Sie sind noch 2 Wochen mit uns zusammen da und können uns so schon einiges zeigen und erklären. Das stimmt mich wirklich optimistisch, da ich Lena schon von meiner Basketballzeit in Speyer kenne und ich so auf jeden Fall etwas Bekanntes vorfinden werde, wenn ich ankomme :-)
Mittlerweile hab ich eigentlich alles beisammen, was ich gerne mitnehmen möchte oder dabeihaben muss; wie und wo ich das alles in meinen 23kg plus Handgepäck unterbringe, bleibt allerdings noch offen...


Auch bezüglich unserer Unterkunft herrscht mittlerweile Klarheit, ich werde mit Ferdi in eine WG ziehen, wo außer uns noch zwei namibianische Studentinnen wohnen. Die Wohnung ist relativ nah am Zentrum, während unsere Arbeitsstelle, die BAS, im etwas unsichereren Stadtteil Katutura ist. Da Windhoek aber ja eine sehr kleine Hauptstadt ist, sind die Distanzen wohl nicht so weit und wir kommen mit dem Taxi überall gut hin. Hier eine kleine Übersicht, im Norden ist Katutura und weiter im Zentrum unsere Wohnung. Weiteres dazu, wenn ich vor Ort bin ;-)


Es ist krass, wie schnell die Zeit verflogen ist... als ich nach dem Abi die Zusage bekommen hatte, war das alles noch meilenweit entfernt und jetzt geht's gleich los. Naja...obwohl jetzt eine anstrengende und traurige Zeit voller Stress, Packerei und Good-byes ist, freue ich mich riesig auf Donnerstag und auf die kommenden Monate!
Melden werde ich mich wieder, wenn ich heil angekommen bin, dann werde ich endlich aus eigenen Erfahrungen berichten können :-)

Ich wünsche Euch eine gute Zeit, haltet die Ohren steif und ich freue mich sehr über Geschichten und Neuigkeiten aus der Heimat, also schreibt mir mal! (unten gibt's ein Kontaktformular für private Nachrichten oder einfach per Mail an julia.ditz@t-online.de ! :)

Außerdem möchte ich mich vielmals bei allen bedanken, die mich vor allem mit Spenden, aber auch mit Tipps und Ideen unterstützt haben in den letzten Wochen, und somit das ganze überhaupt möglich machen! Vielen lieben Dank!

Bis die Tage, Eure Julia