Sonntag, 6. April 2014

#12 Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da...

 ....ja es ist April und es fallen auch keine bunten Blätter von den Bäumen, aber die abendlichen Temperaturen bestätigen es ganz klar. Seit wenigen Wochenm weiß ich wieder wie sich frieren anfühlt. Das mag jetzt absurd klingen, aber ich hatte das wirklich total verdrängt, wie es sich anfühlt, wenn man abends nach Hause kommt und direkt unter die Decke krabbelt um die Gänsehaut zu vertreiben. Natürlich ist es über Tag, solange die Sonne am Himmel ist immer noch schön warm (Ich schreibe euch gerade in Top und kurzer Hose, liege zu Hause am Pool - ja POOL!) und es wird dann frisch, wenn die Sonne weg ist..

Zurück zum Pool: Am letzten Märzwochenende bin ich tatsächlich umgezogen! Ich wohne jetzt leider, leider nicht mehr mit meinem Lieblingskollegen Ferdi zusammen, aber dafür mit 3 namibischen und 15 amerikanischen Stundenten zusammen, die hier ein Auslandssemester machen. Es ist ein etwas umfangreicheres WG-Leben als bisher, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und genieße die neugewonnen Features: WLAN, Waschmaschine, warmes Wasser, Küche mit Austattung, Grillecke, Pool.... Die letzten Tage haben sich vor allem dank dem Pool und dem hostel-artigen Leben hier echt ein bisschen wie Urlaub angefühlt. Mein Zimmer ist nämlich eher wie im Hostel nur mit einem Waschbecken ausgestattet und Duschen und Toiletten gibt's in einem Anbau. Das coole ist aber, dass ich nicht wie die anderen Studenten in Vierbettzimmern im Haus wohne, sondern ein Zimmer für mich habe, das direkt von außen zugänglich ist. Hier ein paar Bilder vom meinem Zimmer und dem Einweihungsgrillen mit den Jungs :-) 








Irgendwie habe ich mich hier superschnell eingelebt und direkt ein neues Zuhause gefunden...Aber nicht nur an diese persönlichen Veränderungen konnte ich mich schnell gewöhnen, sondern auch an den Gedanken, dass das lang, lang, lang ersehnte, eigene Klassenzimmer für die BAS wohl endlich gebaut wird! Letze Woche haben wir unseren neuen Bauplatz in der Independence Arena (nicht weit weg von da wo wir jetzt auch sind) bestätigt bekommen und anscheinend soll es jetzt sehr bald mit den Erdarbeiten losgehen! Über zweieinhalb Jahre warten wir, allen voran natürlich Headcoach Frank, schon darauf, den Startschuss zu bekommen....Go Go Go! 

In den letzten Wochen an der BAS ist es rückblickend echt gut gelaufen. Im Vordergrund steht da natürlich unser Fortschritt im akademischen Bereich, in den Fächern Mathe und Englisch, wo man schon jetzt nach nur 3 Monaten deutliche Veränderungen sehen kann. Wie schon erwähnt ist Mathe mein Schwerpunkt und mein täglicher Begleiter (Ferdi macht Englisch) und wir sind von 2 + 3 mit Fingern abzählen mittlerweile zur einfachen Division gelangt. In der Zwischenzeit ging's natürlich auch um schriftliche Addition und Subtraktion, um Multiplikation inklusive Einmaleins, um das große Thema Zeit, um Einheiten, um Sachaufgaben bis hin zur Division. Die verschiedenen Lerngruppen arbeiten in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Ausführlichkeit, jedoch verbinden wir die Themen immer mit Spielen und Wettbewerben, sodass noch keiner die anfängliche Motivation verloren hat und wir wirklich sagen können, dass unser neues Konzept (weg von der Hausaufgabenbetreuung, hin zu vorbereiteten Lerneinheiten) bisher für jeden Einzelnen ein Erfolg ist. 



Unser Motto "Education First - Basketball Second" wird in diesem Sinne auch optimal ausgelebt: Fehlt es an Disziplin, vor allem Konzentration und angebrachtem Verhalten, während der Tutorial Time, gehen wir eben nicht zum Basketballcourt. Es waren aber insgesamt nur wenige Tage, an denen wir wegen Regen oder eben genanntem nicht trainieren konnten, sodass sich auch in sportlicher Sicht einige Fortschritte bemerkbar machen. Vor ein paar Wochen haben wir den Fast Break, größter Bestandteil der BAS-(Basketball-)Philosophie eingeführt und obwohl wir immer noch fast täglich an den Details schleifen, kann man während den Turnieren ab und zu schon richtig tolle Spielzüge entdecken:-)
Und auch die Life Skills der letzten Wochen, die wir jeden Freitag durchführen bzw. im Ernstfall auch mal unter der Woche einschieben, sind mehr als erwähnenswert. Einen Freitag im März haben wir auf die Einladung meines lieben Gangkollegen Peters hin, im Studio von Hitradio Namibia verbringen dürfen. Peter hat beim Hitradio ein mehrmonatiges Praktikum gemacht und konnte den Kids sehr viel erklären und Fragen beantworten. Nachdem wir schon bei einer Live-Sendung mit ihm Studio dabei sein durften, wurden Calvin, Seke und Frank dann auch noch von Moderator Jörg Gänsler interviewed und die Jungs hatten ihren ersten Radioauftritt. Später hat Calvin noch sein eigens komponiertes BAS-Lied ins Mikro singen dürfen und die anderen Jungs hatten die Chance ihre Freundinnen zu grüßen - süß!
Wer den BAS Live-Auftritt hören möchte, hier lang: https://soundcloud.com/dirk-oder-du/bas-blog-bas-kids-on-air
Am 21. März wurde in Namibia der Independence Day gefeiert und auch an der BAS haben wir in den Tagen danach oft darüber geredet. Da den Kids nicht so wirklich klar war, um was es bei der Unabhängigkeit wirklich geht oder ging, haben wir zusammen mit Lucia, die sonst unsere Köchin ist, aber uns immer öfter auch in anderen Fragen eine große Hilfe ist, eine Life Skills- Einheit zum Independence Day eingelegt. Es ging um die südafrikanische Herrschaft und das Leben während der Apartheid, aber auch Deutsch-Südwestafirka und die Rolle Deutschlands in der namibischen Geschichte. Es war toll, eine "echte" Zeugin zu haben und nicht aus Büchern vorzulesen und wir alle, aber vor allem die Kids haben viel Neues gelernt, was ihnen hoffentlich jetzt im Gedächtnis bleibt.


Zuletzt haben wir das Thema HIV/Aids angefangen. Nach wie vor ist es in Namibia ein aktuelles und heikles Thema und auch obwohl unsere Kids noch relativ jung sind, werden sie damit konfrontiert. Immerhin sind über 50% der Neuinfektionen in 2013 an 15- bis 29-jährigen festgestellt worden! Insgesamt waren es 9600...das heißt, dass sich jeden Tag 26 Namibier mit Aids infizieren... Die Infektionsrate ist leicht zurückgegangen und Namibia zählt als "afrikanischer Spitzenreiter" im Umgang mit Aids - nichtsdestotrotz sind 6217 Todesopfer innerhalb eines Jahres für mich sehr erschreckend!
Während der ersten Life Skills-Einheit haben wir den traurigen, aber schönen Film "Beat the Drum" geschaut, der die Krankheit charakterisiert und mit der Geschichte eines Jungen aus dem ländlichen Südafrika ihre Grausamkeit zeigt, aber am Ende zum Denken anregt und Hoffnung versprüht. Auch die Kinder haben Vieles davon mitgenommen und in ihrer "Monday Story" darüber geschrieben. Überraschenderweise wussten unsere Kids schon relativ viel über die Bedeutung, Übertragung und Prävention von HIV/Aids, was davon zeugt, dass sich doch etwas tut in Namibia und der chaotische Unterricht in den meist überfüllten Klassen nicht ganz umsonst ist. Dennoch hoffen auch wir noch mal einen Beitrag leisten zu können und die Kinder ein bisschen mehr aufzuklären.

Obwohl es immer wieder Vorfälle gibt und kein Tag perfekt verläuft, ist die BAS auf einem guten Weg und am Ende der Woche gibt es immer viele "Success Stories" zu erzählen.
Mittlerweile haben wir auch unsere Nachfolger ausgewählt und auch wenn ein Drittel des Jahres noch vor mir liegt, merke ich ständig wie die Zeit rast und bin schon jetzt super neidisch, dass die beiden im nächsten Jahr hier in Windhoek sein dürfen. Es ist wirklich toll, Teil eines wachsenden Projektes zu sein und wenn auch nur in einem kleinen Ausmaß zu etwas Großem und Langfristigem beizutragen. Ich bin schon jetzt gespannt, was aus den kleinen Frechdachsen mal wird :-)
Meine Gruppe: Die "Cheetahs" (Geparden)
Zwischendurch war dann auch noch der Independence Cup, wo ich wieder bei den UNAM Sparks mitgespielt habe...auch wenn einige Spiele richtig frustrierend waren, tat's gut mal wieder selbst Basketball zu spielen.. :-)


So, diese Woche steht wieder ein Event an, tatsächlich kommen die alten Ingehämer nach Windhoek geflogen :-) ! Mama, Papa und Jonas kommen am Donnerstag für zwei Wochen nach Namibia und dürfen dieses wunderbare Land erleben! Zum Glück haben auch wir bald Ferien und ich kann die zweite Hälfte ihrer Tour mitmachen. Ich bin gespannt!
Da wir vier Wochen Ferien haben und auch noch ein paar Urlaubstage übrig sind, plane ich mit Ferdi und Fabi noch einen weiteren Urlaub: Mosambik! Seit meiner Ankunft habe ich ständig sooo tolle Sachen über die Ostküste gehört und möchte mir diesen indischen Ozean jetzt auch endlich mal selbst angucken. Ich freue mich auf die nächsten Wochen!

Liebe Grüße in den Frühling und bis bald!



Sonntag, 9. März 2014

#11 Wenn der Alltag dich einholt


Es war so viel los in letzter Zeit, dass ich mal wieder nicht dazu kam, mich in Richtung Deutschland zu melden... oder auf welchem Fleck Erde auch immer ihr seid ;-)

Nachdem im Januar gerade das neue Schuljahr angefangen hatte und wir eigentlich total eingespannt waren mit den neuen Kids, sind Ferdi und ich schon wieder für 'ne Woche abgehauen, und zwar diesmal nach Südafrika für unser Zwischenseminar. Tatsächlich war damit Halbzeit - die ersten sechs Monate dieses Abenteuers hatten wir überlebt! (In der Zwischenzeit sind es sieben, aber darauf komm ich noch mal zurück.) Mit dem Intercape-Nightliner (ein megabequemer Doppeldecker-Reisebus) sind wir also losgetuckert durch den schönen Süden Namibias über die Grenze nach Südafrika und ab zur Stadt am Kap! Nach 24 Stunden Fahrt hatten wir dann noch einen weiteren Tag Zeit, Kapstadt selbst anzugucken, bevor wir in einen Zug (!!!!) gestiegen sind und an unseren Seminarort Wellington gefahren sind. Die Zugfahrt mit Kopf aus dem Fenster, Blick auf die riesige Stadt, die plötzlich rund um uns war und den beeindruckenden Tafelberg im Hintergrund, war ein richtiges Erlebnis. 



Als wir endlich an der Bloublommetjieskloof Demeter-Farm ankamen, haben alle "Freunde" schon auf uns gewartet, weil an die armen Namibier wieder keiner gedacht hat und man uns am Bahnhof vergessen hatte. Die meisten anderen Teilnehmer waren Freiwillige aus Kapstadt, die alle mit ihren eigenen Autos angereist sind...
Das Seminar war interessant, aber auch nicht zu anstrengend, man hat viele Geschichten erzählt und gehört, Projekte vorgestellt, viel über biodynamische Landwirtschaft und die Marke Demeter sowie über die Geschichte Südafrikas und ihren großen Helden Nelson Mandela gelernt. Es war interessant, sich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen, da die Erfahrungen doch sehr unterschiedlich ausfallen. Vor allem die Kapstadt-Leute haben wohl ein ganz anderes Leben in ihrer großen Gruppe von deutschen Freiwilligen, inmitten dieser südafrikanischen Metropolstadt. À propos: Kapstadt ist einfach der Hammer. Gott sei Dank kam nach dem Seminar ein Wochenende und wir konnten noch mal drei intensive Tage in Kapstadt selbst verbringen. Für mich war das close to perfect, in Kapstadt findet man Berge mit wunderschönen Hikes (Wir sind zum Sonnenuntergang auf den Lion's Head geklettert), man findet das Meer mit seinen zahlreichen Surf-Stränden rund um Kapstadt und der Küstenstraße, die durch ein süßes Örtchen nach dem anderen führt UND man findet auch das City Life - die Long Street (Partystraße Kapstadts) und die vielen kleinen Läden und Cafés zaubern einfach eine großartige Atmosphäre. Zwei Nächte haben wir bei einer Mitfreiwilligen verbracht und durften den Charme des Stadtteils Muizenberg, der ganz im Süden der Halbinsel direkt am Wasser liegt, kennenlernen. Dort findet man mehr Skater als Fußgänger, zahlreiche süße, verkünstelte Häuschen, einen Surfshop neben dem anderen und einen tollen multikulti-Markt am Freitagabend. Dank der Freiwilligen vor Ort konnten Ferdi und ich mit einem Auto die Küste über Simon's Town, wo wir Pinguine beobachtet haben, ans Kap der Guten Hoffnung fahren und am südlichsten Punkt Afrika's abhängen. Wer's noch nicht gemerkt hat, ich hab mich definitiv verliebt und Kapstadt direkt auf meine Liste der tollsten Städte der Welt gesetzt.



am Kap der Guten Hoffnung
Sonnenuntergang auf dem Lion's Head
Sonnenkinder :-)

Leider ging die Zeit, wie so oft wenn's einem wo gefällt, viel zu schnell vorbei und wir mussten wieder unsere 24 Stunden Absitzerei nach Windhoek antreten. Diesmal leider nicht so angenehm, da ich am Morgen wohl was Falsches gegessen hatte…. Zuhause angekommen hat mein Geburtstag mit der Zahl 20 auf mich gewartet und mir wurde seit langem mal wieder bewusst, dass es jetzt wohl doch ernst wird. Meine Ziele, mir über meine Zukunft und damit erstmal über mein Studium Gedanken zu machen, habe ich aber bisher trotzdem ganz erfolgreich verdrängt....das ist einfach so einfach hier. Aber morgen (Sonntag) habe ich tatsächlich einen Termin mit dem Internet und werde mich endlich mal hinsetzen. 
Eine erschreckende Nachricht kam diese Woche aus den USA: Eine Statistik wurde aufgestellt, die besagt, dass Namibia wohl weltweit das Land mit den meisten Verkehrstoten ist. Allein im Dezember und Januar sind in Namibia 133 Menschen auf den Straßen Namibias gestorben – das sind im Schnitt mehr als zwei pro Tag. Gründe dafür sind vor allem Alkohol am Steuer, verkehrsuntaugliche Fahrzeuge und Unterschätzen der Straßenverhältnisse, vor allem bei Dunkelheit.



Während wir in Südafrika unterwegs waren, hatte sich an der BAS aber auch Einiges getan. Da Special Olympics, deren Klassenzimmer wir bisher immer genutzt hatten, Anfang Februar mit eigenen Nachmittagskursen angefangen hatte, blieben uns nur noch 30 Minuten im Klassenzimmer – definitiv zu wenig. In diesen Fällen sind wir sonst immer unter die bedachte Stadiontribüne ausgewichen, was aber jetzt in der Regenzeit auch keine Alternative mehr war, da es zu sehr windet und das Dach undicht ist. Spontan haben wir also unseren früheren Lagerraum im Stadion zum Klassenzimmer umfunktioniert: Die 25 qm wurden mit neuen Tischen, Stühlen und Tafeln ausgestattet und durch Trennwände konnten wir eigene Ecken für jede unserer drei Lerngruppen einrichten. Es wird zwar schnell laut und der Platz ist sehr beschränkt, aber wir sind unser eigener Herr und können tun, was wir wollen und so lange bleiben, wie wir wollen. Vor kurzem konnten wir sogar noch eine mobile Außenküche im Equipment aufnehmen, sodass unsere Köchin Lucia zwar jeden Tag alles auf- und abbauen muss, aber sie immerhin nicht mehr das ganze Mittagessen zu Fuß anschleppen muss.



Was das Programm an der BAS selbst angeht, macht es immer noch sehr viel Spaß mit dem neuen Konzept, während der “Tutorial Time”  ist Mathe und Englisch abwechselnd dran und danach, falls es der Regen zulässt, Basketballtraining. Freitags haben wir nach wie vor statt TT eine Life Skills Einheit, die in den ersten Wochen für Rollenspiele betrefflich unserer Werte Zuverlässigkeit, Engagement, Verantwortung, Hard Work, Qualität und Team Work genutzt wurde und danach für Verschönerungsaktionen des Klassenzimmers. Letzte Woche stand eine Einheit über Ernährung und speziell Zucker im Zusammenhang mit Zahnhygiene an. Alle Kids haben nach dem Essen eine Runde Zähne geschrubbt und ihnen ist jetzt hoffentlich ein bisschen bewusster, was sie ihren Zähnen und ihrem Körper mit den vielen, vielen cool drinks (noch süßere Varianten von Cola, Fanta, Sprite) und Süßigkeiten antun. Die Art der Ernährung ist hier sicherlich ein Problem, aber leider nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei ihren Eltern, sodas es schwer ist, eine wirkliche Änderung zu erreichen. Der übermäßige Zuckerkonsum zeigt sich jedoch viel öfter in heftigen Zahnproblemen als in Übergewicht, während die meisten sich einen Zahnarzt nicht leisten können oder wollen, sondern es so lange hingezogen wird, bis unerträgliche Schmerzen auftreten. Bei einigen unserer älteren Kinder hat Frank extreme Probleme festgestellt und sich bei mehreren um eine Behandlung gekümmert, aber auch die BAS kann das leider nicht grundsätzlich übernehmen und es bleibt definitiv ein Problem.
Was die Disziplin sonst angeht, müssen die jüngeren Kids auch noch viel lernen –  für einige ist es tatsächlich noch schwer, sich den Strukturen und Regeln anzupassen und sich entsprechend angemessen zu verhalten. Auch da Namibier ganz ohne Zeitgefühl groß werden (und des Öfteren auch als Erwachsener nie was davon hören), haben wir öfters das Problem, dass Pausenzeiten nicht eingehalten werden oder beim Umziehen getrödelt wird und leider auch, dass die Kinder abends nicht direkt nach Hause gehen und noch auf den Straßen rumhängen. Ein weiterer heikler Punkt aller namibischer Kulturen ist die fehlende Überzeugung und Motivation sich selbst helfen zu wollen, sich selbst zu verbessern, indem man hart arbeitet. Diese Moral gibt es hier so gut wie gar nicht: An Supermarktkassen, in Restaurants, in Geschäften, an Schaltern, und und und läuft alles in Slow Motion ab. “Being in a hurry” gibt es hier nicht. wenn du’s eilig hast, hast du schon verloren. Und wenn du nach Freundlichkeit suchst in den genannten Bereichen, dann schon zweimal. Es ist, als ob die Leute nichts verkaufen wollen, als ob sie lieber ‘ne Runde schlafen würden,  lieber in Ruhe gelassen werden wollen, statt “Guten Tag” zu sagen. Natürlich mangelt es in den Geschäften oftmals an Fachwissen, aber in den meisten anderen Bereichen ist das keine Ausrede. Es herrscht eine allgemeine Unmotivation für jede Form von Arbeit, sei es körperlich oder geistig. Gibt es einen Fall, der aus der Reihe tanzt, sind die Leute überfordert. Ein Hauptgrund ist anscheinend die kleine Populationsgröße der Namibier. Für jeden der 2,2 Millionen Menschen gibt es hier Arbeit wenn er/sie will, in einem Land mehr als doppelt so groß wie Deutschland, mit dem Tourismus und der Construction Branche, die immer weiter wachsen und Arbeit kreieren. Andererseits ist es auch einfach der African Way of Life, die Dinge gemütlich anzugehen, aber es scheint (und das habe ich schon sehr oft gehört mittlerweile) als ist es in Namibia extrem schwer, Leute dazu zu motivieren, sich selbst zu helfen. So bald man mit “Ich will..” und “Gib mir…” nicht mehr weiterkommt, wird es oft bevorzugt, mit dem Verzicht zu leben, als sich dafür einzusetzen und Engagement und Wille zu zeigen. Commitment ist ein Fremdwort in Namibia.
Zurück auf die Kinder übertragen, heißt das, dass die meisten Kids (noch) nicht erkennen, dass sie sich durch die BAS selbst wirklich helfen können, in dem sie in der Tutorial Time ihr Bestes geben, sich auf das konzentrieren was gerade abgeht und nicht jedes mal, wenn ein Coach in die andere Richtung schaut, ihre Aufgabe abkürzen oder mogeln. Nicht zu vergessen ist natürlich, dass wir es hier mit Kindern zu tun haben und dass man es in dem Alter gar nicht erwarten kann, dass sie erkennen, was für sie gut ist, während alle Leute um sie herum ihnen eine bestimmte Moral vorleben. Aber trotz allem kann man Kindern noch etwas beibringen, während bei vielen Erwachsenen die Hoffnung verloren ist, und das versuchen wir ;-)
(( Jetzt, wo ich hier noch mal drüberlese, klingt das schon krass, und es ist sicherlich was, was mir einfach nur zur Zeit so sehr auffällt. Aber ich werde es nicht ändern, weil es, auch wenn es wie überall Ausnahmen gibt, trotzdem in der Regel zutrifft und ich das sehr schade finde, weil es hier definitiv mehr Potential gibt. ))
Im Alltag bedeutet all dies, dass ich zur Zeit jeden Tag mit Halsschmerzen nach Hause gehe, weil ich so viel rede, dass ich richtig viel zu tun habe mit Vorbereitungen und dem Suchen und Erstellen von neuem Material, und mit Gedanken dazu, was für die Kinder die richtige Bestrafung für Missverhalten ist. (In der letzten Woche haben wir gar nicht trainiert, weil es nicht ausgereicht hat, dass wir mehrmals über ihr Fehlverhalten gesprochen haben, sondern anscheinend nur Handeln einen Unterschied macht.) Wir hoffen, dass sich die Zeiten jetzt ein bisschen bessern und die BASKids auch im Bereich der Disziplin Fortschritte machen werden und werschätzen werden, was für eine Chance das BAS-Stipendium für sie bedeutet. Das neue Konzept scheint akademisch auf jeden Fall schon positive Auswirkungen zu haben, merken wir doch jeden Tag, dass sie etwas gelernt haben und in irgendwas sicherer geworden sind, wenn auch nur in einer minikleinen Sache, wie nicht mehr mit den Fingern zu zählen, sondern im Kopf zu rechnen.  

Meine namibische Basketballkarriere geht wohl auch bald wieder richtig weiter, nachdem wir jetzt unser erstes Training mit „Erfolgscoach“ Nigel hinter uns gebracht haben: 40 Minuten nach Trainingsbeginn, das Team war schon aufgewärmt und gedehnt und am trainieren kam er in die Halle und hat uns noch einmal „aufwärmen“ lassen und auch noch einmal dehnen – mit der Begründung, dass er dieses Jahr ernst macht. Dedee dedee dedeeeeeee.

Brandaktuelle News gibt’s auch ein paar: Während wir eine sehr liebe neue Mitbewohnerin (mit Waschmaschine!) ((aber in einer Wohnung ohne Waschmaschinenanschluss)) bekommen haben, habe ich ein neues Zimmer in einem Student Hostel gefunden, was einfach lukrativer ist und werde euch den nächsten Blog wohl dann aus meiner neuen Unterkunft schicken. Aber bevor es soweit ist, hatten wir jetzt erst einmal jede Menge Besuch aus dem fernen Europa :-) Meine liebe Freundin Ceci, die Salatgurke unter all euch treulosen Tomaten, kam Mitte Februar in Windhoek an und hat mit ihren Eltern eine Tour gemacht, bevor sie für eine Woche zu mir nach Windhoek gekommen ist. Auch mir bot das mal wieder eine Möglichkeit zu reisen und ich habe die Italianos für ein Wochenende an der Küste getroffen. Es war wirklich sehr schön, jemanden Altbekanntes hier zu haben und ihr meine neue Heimat zu zeigen. 


Swakopmund

Auch Ferdi’s Eltern sind vor einer Woche angekommen und haben unseren Kühlschrank aufgefüllt: Wienerle, Käsewürste, verschiedene Salamisorten, Käse, Bauernbrot und Milkaschokolade wurden genüsslich verzehrt! ...Und auch die Namibier haben die „Bread Time“ (Brotzeit;)) kennenlernen dürfen.
Uuuund bald krieg ich noch mehr Besuch aus der Heimat, in weniger als vier Wochen geht’s auch mit den Ellis und Jonas auf große Namibia-Safari :-). Geschenke also bitte vor dem 8. April 2014 in der Hauptstraße abgeben ;-)

Aber macht euch nicht zu viel Stress, ich komme ja schon bald wieder nach Hause... gar nicht! 7 Monate sind vorbei und komischerweise, seit wir die Halbzeit abgehakt haben, vertreten alle die Meinung, dass es jetzt schon dem Ende zu geht und wir ja bald weg sind. Krasser Gedanke! Aber die Zeit fliegt wirklich. Die nächsten Monate sind schon so verplant, dass sie sicherlich im Nu vergehen werden. Hier wird es wieder Winter werden, das ach so schön grüne Windhoek wird wieder grauer werden, und alle Einheimischen werden den Regen vermissen. (Ich bin sehr froh, für Namibia, dass es nach den zwei Jahren Dürre dieses Jahr so viel geregnet hat und immer noch tut und dass es nicht mehr so unerträglich heiß ist wie im November und Dezember, aber da wir nie gedacht haben, dass ein Regenschirm eine sinnvolle Investition wäre, wurden wir in den letzten Wochen so einige Male pitschepatsche nass auf dem Heimweg von der BAS... ) Der Bau des BAS-eigenen Klassenzimmers wird hoffentlich bald gestartet werden, sodass wir auch diese neue Ära noch miterleben dürfen und wir werden hoffentlich noch den ein oder anderen Trip auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde planen können. Uuuuund ich werde mich auf das gruselige Ding mit dem Namen Studium konzentrieren müssen und tolle Bewerbungen schreiben. Aber ja, alles hat seine Zeit und am Ende wird’s schon irgendwie klappen!

Ich schicke euch hiermit viele Regenbogengrüße aus Namibia, natürlich auch ein paar Sonnenstrahlen und hoffe euch allen geht’s gut! Ich freue mich wie immer, was aus der Heimat zu hören ;-)


Julia

P.S. In der Fotogalerie gibt's noch mehr neue Bilder und hier findet ihr ein neues Update vom BAS.Blog!

Sonntag, 26. Januar 2014

#10 ...wir sind ja schließlich nur einmal jung.



Nach nur zwei Tagen in Windhoek, ging es auch schon weiter auf meinen zweiten Trip, den Mietauto-mit-Dachzelt-und-kompletter-Austattung-Luxustrip, der mich mit den alten Hasen Ferdi und Peter und den Newbies Fabi und Tim in den Süden Namibias führen sollte.

Unser erstes Ziel war der Fish River Canyon. Wir kamen aber erst nachmittags in Windhoek los und durften dank Mietauto nur 90 km/h fahren. Da sich die Fahrer da auch brav drangehalten haben, war unsere erste Etappe in Mariental beendet und wir haben unsere erste Nacht im DACHZELT! auf einem unspektakulären Campingplatz in der Pampa verbracht. Ah halt, die Achterbahnfahrt war auch hier noch nicht vorbei und ganz plötzlich sind die Träume vom vermeintlichen Luxusurlaub nach den zwei Wochen Abenteuer auch geplatzt. Uns wurde die Gasflasche geklaut. Und der ganze Inhalt einer Equipmentkiste. Nach ein bisschen Detektivspielerei kamen wir zu der Theorie, dass jemand in der Nacht zuvor die Schiebefenster des Kofferraums geöffnet haben muss um alles rauszunehmen, was durchgepasst hat. ... Es hätte ja auch mal auch nur für einen Tag was gut gehen können, aber ja. Mit uns kann man’s ja machen, wir sind’s ja mittlerweile gewöhnt.
Alors, am nächsten Morgen kamen wir dem Canyon nach einem kurzen Stopp in Keetmanshoop immer näher, haben den Tag aber dann außerhalb des Ai-Ais-Nationalparks am Pool des Canyon Roadhouse und später mit einem leckeren Braai ausklingen lassen.
Endlich, endlich sind wir dann am nächsten Morgen bei Hobas durch das Gate gefahren und haben den Fish River Canyon erreicht.
Welcome to the second largest canyon of the world!


An mehreren Aussichtspunkten entlang des Canyons kann man eine faszinierende Aussicht genießen und man kommt sich unglaublich klein und unwichtig vor, wenn man so etwas krasses vor Augen hat. Während ich versuchte damit klarzukommen, dass meine Augen ganz und gar nicht einschätzen konnten wie tief und weit dieses „Loch“ ist, haben die Jungs ihrem Echo zugehört und Fabi und Peter sind dann tatsächlich (verbotenerweise, aber wir können ja nicht so gut Englisch) hinunter geklettert und auch irgendwann wieder oben angekommen und wir konnten weiterfahren zu den heißen Quellen von Ai-Ais. Diese Schwefel-Chlor-irgendwas-Quellen wurden in der Nähe des südlichen Ende des Canyon entdeckt und sind ca. 60 Grad heiß. In Ai-Ais, einer Ressortanlage mit kleinem Shop und Mini-Tanktelle wird dieses Wasser in den Pool und die Spa-Anlagen geleitet, sodass wir während unserer Zeit in Ai-Ais eigentlich nur in der „Badewanne“ waren. Die Jungs hatten auch bei den heißen Quellen eine permanente „Oh Gott, ich brauch n Bier“ –Attacke und ich habe aufgehört zu rechnen, wie viel Geld wir für diese Männlichkeitsphasen eigentlich ausgeben. An diesem Punkt rate ich jedem Mädel da draußen, nicht ohne weitere weibliche Gesellschaft und vor allem nicht geistig unvorbereitet auf einen Jungs-Trip zu gehen.
Diese depressive Stimmung hat sich aber auch immer wieder gelegt, ich glaub also nicht dass ich die Fassung verloren hab.
Deeeenn....dann stand der in meinen Augen schönste Teil des Trips bevor, was ich aber vorher auch nicht wusste. Von Ai-Ais aus sind wir weiter Richtung Südafrika gefahren, von der Teerstraße irgendwann auf die Schotterstraße und kamen in den Genuss, stundelang durch menschenleere, jedoch wunderschöne Landschaften zu fahren. Erst hier wurde mir richtig bewusst, wie weit und leer dieses Land doch ist. Es war wunderbar. Wir haben, abgesehen von einem einzigen Auto, keine Menschenseele getroffen bis wir zur südafrikanischen Grenze kamen. Ich war totmüde, konnte aber kein Auge zutun, weil es trotz der Einsamkeit dort unten soo viel zu sehen gab. Natürlich ist dort unten alles sehr trocken, wir haben deshalb auch nur einmal eine mini-kleine Antilope gesehen – und ein Haufen Gestrüpp und riesige Felshügel, Berge und vor uns die niemals endende Straße gen Süden. Geebnet wurde diese Straße auch nie, deswegen war diesmal auch das Bauchgefühl einer Achterbahnfahrt entsprechend. Fabi wollte auch den Fahrersitz nicht mehr hergeben und hat seine Vorliebe für gravel roads entdeckt. Die tollste Entdeckung jedoch war, als wir um eine Kurve fuhren und vor uns den Orange River, die Grenze zu Südafrika, in all seinen knalligen Farben erblickt haben. Eine wunderbare Aussicht, Ankunft im Paradies.



Als nächstes stand Lüderitz auf dem Programm und wir mussten den Orange River wieder Richtung Nordwesten verlassen. Einige Kilometer vor der Stadt mussten die Jungs ein bisschen Energie loswerden und sind ein paar Dünen hochgerannt, es war allerdings so windig, dass alles komplett sandig war, jeder Sandkörner in den Augen hatte und wir schnell weiterwollten. Peter’s Highlight war, dass wir kurze Zeit später wieder Radio hören konnten, da Hitradio Namibia seit neustem auch Frequenzen in Lüderitz hat! „Peter und seine Gang“ wurden sogar von seiner Kollegin mit einem Lied gegrüßt, yeaaah... Die Ankunft in Lüderitz bot uns ein schönes Bild des Hafens im Abendlicht.



Wir haben die Shark Island Campsite aufgesucht, die auf einer Halbinsel liegt, und den allerschönsten Campingplatz gefunden. Mit Abstand mein Favorit bisher.

Unser Stellplatz

 Ein gemütliches Bier auf dem höchsten Felsen während dem Sonnenuntergang am Meer, und alle hatten sich lieb. Das war ein Freitag. Gegessen haben wir im einzigen Restaurant, das wir gefunden hatten und das offen hatte. Der Abend und die Nacht daanch waren, let’s say spaßig, aber der Sternenhimmel war so schön, dass ich eigentlich nur eingemummelt auf den Felsen lag. Auch am nächsten Morgen, Samstag, hatte noch nicht mal der Spar offen. Wunderbares verschlafenes Küstenstädtchen :-)
Am Morgen sind wir noch einmal um die Halbinsel unterhalb von Lüderitz gefahren, wo wir eine windige, aber tolle Aussicht auf's Meer hatten und Robben, und von weitem auch Pinguine gesehen haben.




Leider stand Samstag auch für Aufbruch und wir müssten uns schon wieder auf den Weg nach Windhoek machen. Auch das waren zwei Etappen und wir haben die Nacht bei Skyfall, I mean Seeheim verbracht. Ein gruseliges Hotel im Jägerstyle – der Besitzer hatte einen crazy Vogel auf seiner Schulter sitzen, der ihn auf Kommando geküsst hat. Vor dem Dinner konnten wir den Brüdern unseres Essens noch Hallo sagen...



Wir mussten dann sogar selbst das Licht überall ausschalten als wir fertig waren mit essen, weil beide Angestellte und der Besitzer ins Bett gegangen sind. Oder die Kettensäge holen...

Guten Morgen und Abfahrt zurück nach Windhoek! Am Montagmorgen, sollten wir wieder arbeiten... und alles was ich wollte war eine Woche Urlaub vom Urlaub. Puuh.

Viele Regenstunden, Sonnenstunden und hunderte Fotos später, tausende Dollars weniger, dafür einige Falten und Erfahrungen mehr und meine afrikanischen Sommerferien sind auch vorbei.
Alles in allem eine abenteuerliche und schöne Zeit, der Übergang zur zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes. Und auf einmal machen alle so, als geht das ganze jetzt schon dem Ende entgegen. Ich höre ständig, "ihr seid ja eh bald weg" und wir müssen tatsächlich demnächst unsere Nachfolger aussuchen! Oh gott...

Jetzt ist jedenfalls schon seit zwei Wochen wieder Schule und unsere Testphase an der BAS hat begonnen. Ich hatte so viel Spaß die letzten Tage mit den neuen Kids, für mich ist das neue Konzept jetzt schon aufgegangen :-) Es ist wirklich süß, noch sind alle so schüchtern und lieb und wir bekommen jeden Tag die Hand geschüttelt, „Good afternoon Coach Julia, Good afternoon Coach Ramah, Good...“ und bisher sind sie noch sehr motiviert für Mathe und Englisch und am Donnerstag wollten sie sogar lieber ein Arbeitsblatt weitermachen als zum Court zu gehen! Crazy! Wir haben 12 Jungs und 2 Mädels, alles 6. Klässer, außer Gerson, der in der 7. Klasse ist und von den älteren noch dabei ist. Die anderen „alten“ kommen 3 mal die Woche.


Mariama, Tiree, Seke, Norman & Jinola


Jedenfalls find ich es viel besser, wie wir’s jetzt machen. Mathe und Englisch abwechselnd, und unsere eigenen Übungen und Themen statt Hausaufgaben. Und hey es macht sogar echt Spaß die Stunden vorzubereiten. (Ich mach Mathe, Ferdi Englisch). Also bisher alles bombe und ich hab mich jetzt schon mindestens 3 mal verliebt. :-)

Soo... Guess what. Nächsten Freitag werde ich schon wieder mit gepackten Koffern das Haus verlassen und mit dem Intercape-Bus nach Kapstadt tuckern. Das Freunde-Seminar wartet! Obwohl wir die Woche über außerhalb von Kapstadt in irgendeinem kleinen Weinort sein werden, haben wir finde ich Glück, dass unser Seminar nicht in Windhoek ist... Ich bin gespannt!

Ein bei Nacht beleuchtetes Boot auf dem Meer
Das war’s erstmal wieder aus Namibia...Ich hoffe euch allen geht's gut und melde mich wieder mit News aus Südafrika ;-)


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Samstag, 18. Januar 2014

# 9 Eine Achterbahnfahrt durch das südliche Afrika




Hello again!


Auch ich bin tatsächlich in 2014 angekommen und wünsche euch hiermit noch nachträglich ein dickes Happy New Year!

Die letzten Wochen waren crazy, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Erlebt haben wir viel, so viel, dass ich manchmal lieber für einen Tag die Augen zugelassen hätte um die ganzen Eindrücke und neuen Bilder in meinem Kopf zu genießen und zu verdauen. Es waren 3 Wochen, 4 Länder, 5 Währungen und unzählige Abenteuer;)

Die geplante Reiseroute kennt ihr ja schon, aber da wir hier in Afrika sind und Pläne eher selten in Erfüllung gehen, ist so manches anders gekommen. Los nach Botswana ging’s dann aber trotzdem einigermaßen pünktlich - mit Peter, Ferdi und Ndiili und der Alten Dame, unserem Toyota. Kaum am ersten Camp im botswanischen Busch angekommen, wurden wir beim Zelte aufbauen vom Regen überfallen. Für ein richtiges Feuer hat es leider auch nicht gereicht und so wurde es ein relativ frustrierender erster Abend unseres Trips.



Lebendige Diskussionen über Gott und die Welt haben aber die Moral erhalten und wir haben das Camp am nächsten Tag einfach hinter uns gelassen und sind einen Tag früher nach Maun aufgebrochen. Fasziniert von dem ganzen Grün um uns herum, sind wir an unzähligen Kühen, Eseln und Ziegen am Straßenrand vorbeigefahren. Vorher hat uns ein Schild mit der Aufschrift „Animals have right of way“ (Tiere haben Vorfahrt) vorgewarnt, dass es eine hindernisreiche Fahrt wird. Wie so oft auf diesem Trip hat es während der Fahrt angefangen zu regnen, aber auf einmal wurde es so krass, wir die Straße nicht mehr gesehen haben und anhalten mussten. Erst dann haben wir realisiert, dass da Hagel vom Himmel kommt – verrückt! In Maun hat uns ein flippiges Backpackers erwartet, am südlichen Ende des Okavango Deltas gelegen und somit direkt am Wasser und ausgestattet mit einer tollen Bar, einer großen Küche für Camper und sehr gemütlichen Couches und Hängematten. 





Da unsere Vorbereitungen vor Abfahrt auch nicht nach Plan gelaufen sind, hatten wir nach wie vor nichts als namibische Dollar, während man in Botswana mit Pula bezahlt. Nett, der etwas alkoholisierte Herr an der Rezeption, der uns direkt mal 600 Pula (50 Euro oder so) für ein Willkommensbier an der Bar geliehen hat. In Maun waren wir insgesamt vier Nächte, inklusive Weihnachten. Am 24. haben wir uns für einen Mokoro-Trip ins Delta eingetragen; Mokoros sind Kanus, die traditionell aus Leberwurstbäumen gemacht werden. Eine kostspielige Angelegenheit, die sich für mich nicht zu 100% gelohnt hat, da die Fahrt an sich einfach zu lange war und Ferdi und ich im Gegenteil zu den anderen Boats eine etwas älter Dame als Staker hatten, die mir nach 10 Minuten schon leid tat, weil wir immer ganz hinten waren und Schlangenlinien gefahren sind. Trotzdem war es sehr schön und beruhigend auf klarem Wasser zwischen den hohen Gräsern durchzugleiten und den Libellen hinterher zu gucken. Der eingeplante Stop für einen „Game Walk“ auf einer Insel war in meinen Augen ein riesengroßer Witz, weil die Guides (in Badelatschen und ohne jegliche Ausrüstung) uns eine Ewigkeit IM GÄNSEMARSCH über eine große, eher leere Wiese geführt haben, als würden wir gleich was entdecken. Das einzige Tier auf dieser Tour war ein Wurm, den Peter in einem Baobab-Baum entdeckt hat. April, april.






Weihnachten wird in Namibia bzw. glaube ich generell im südlichen Afrika am 25., dem Christmas Day, gefeiert. Für mich war der Tag vergleichsweise unspektakulär, da ich außer viel zu essen und einer kleinen Bootstour nicht viel gemacht habe. ABER die tollste Weihnachtsüberraschung war, dass früh am morgen plötzlich, ca. 4 m entfernt von uns im Wasser, ein Hippo aufgetaucht ist. Die Dinger sind rieeeeeesig! Aber so knuffig irgendwie hihi, kaum zu glauben, dass das Nilpferd eins der gefährlichsten Tiere auf der Welt ist.




Zur Feier des Tages wurde schon ab früh morgens ein Spanferkel gegrillt, was dann nach langer Warterei nachmittags irgendwann verzehrt wurde.
Auch während diesen Tagen in Maun ist Einiges passiert: in vier Tagen in Botswana ist Peters Kreditkarte zweimal vom Automaten eingezogen worden, Ferdi wurde innerhalb von zwei Wochen sein zweites und drittes Mal geblitzt und die Batterie der Alten Dame hat den Geist aufgegeben nachdem die Alarmanlage angegangen war. Jörg aus Bayern ist aber dann freundlicherweise mit seinem Überbrückungskabel angerückt und hat uns gerettet. Ansonsten haben wir unser Equipment ein bisschen zur Probe gestellt und einige Leckereien gekocht und gegrillt. Schöne Zeit!

Und weiter ging die gute Fahrt... (im Nachhinein ärgerlicherweise) zurück nach Namibia. An diesem Punkt wurde unser Trip offiziell zur Achterbahnfahrt durch das südliche Afrika, geprägt von unserem Glück im Unglück im Glück im Unglück. Schlechtes Timemanagement hat uns dazugeführt, dass wir kurz nach 18.00h an der Grenze ankamen und aus Botswana noch ausreisen durften, aber nicht mehr in Namibia rein. Die Nacht im Niemandsland mit Sicht auf Elefantenherden zu akzeptieren wäre wohl eine kluge Entscheidung gewesen, aber dank einem Grenzbeamten (oder was auch immer dieser Mann für eine Funktion hatte), durften wir nach Namibia fahren unter der Bedingung, dass wir unsere Pässe an der Grenze zurücklassen und sie dort am nächsten Morgen wieder abholen. Lose-lose-situation, unser Ziel Katima Mulilo konnten wir dann trotzdem nicht anfahren, weil wir ja zurück zur Grenze mussten. Also haben wir uns auf die Suche gemacht nach dem empfohlenen Camp Chobe, was wir aber dank schlechter Sicht am besagten Abend erst Tage später auf dem Rückweg gefunden haben. Zufällig (Dummerweise) habe ich dann ein Schild zu einer anderen Campsite entdeckt: „Salambala“. Unfreiwillig wurde die Nacht um ein paar Stunden verlängert, als wir auf der einspurigen Dirt Road, die ein paar Kilometer durch den Busch führt und nach dem Regen natürlich mit Schlammlöchern übersät war, stecken blieben. Mitten im nirgendwo, umringt von nichts als Bäumen und in Gedanken auch Elefanten, Leoparden und Löwen, sind die Jungs ausgestiegen und haben mithilfe von Ästen und ihrer unendlichen Kraft das Auto befreit, während ich die Rolle der Prinzessin auf dem Fahrersitz übernehmen durfte.





Mir war schon die ganze Fahrt schlecht und ich wollte nichts mehr als mich endlich hinlegen zu können. Aber alles war dreckig, alle hatten Hunger, überall Moskitos und für mich war das einfach viel zu unheimlich um klar zu denken... furchtbarer Abend.
Am nächsten Morgen hieß es eigentlich nur raus hier, zurück zur Grenze und Abfahrt Richtung Norden. Tja, dann war da die gute Frau von der Rezeption, die uns empfohlen hat, diesmal den anderen Weg zu nehmen, der viel besser sei, weil dort kein Schlamm ist. Nach gefühlten 10m sind wir dann im Sand stecken geblieben. Es hat sich angefühlt wie Geburtstag, Weihnachten und Abiball zusammen... Das Problem war diesmal noch 10mal größer, da die Reifen beim Anfahren immer nur tiefer in den Sand gegraben haben. Nach einigen Buddel-Versuchen haben wir aufgegeben und Verstärkung gesucht. Mithilfe weiterer starken Männer hatten wir die Alte Dame nach ein paar Stunden wieder zum Laufen gebracht. Da unser treuster Fahrer (unbekannt) danach, wegen der Schlammlöcher nichts mehr riskiert hat, sind wir echt über den engen Waldweg Richtung Straße gerast. Dass wir unterwegs zweimal wenige Zentimeter vor einem Baum zum Stehen kamen, war schon wieder vergessen als wir endlich, endlich die Teerstraße erreicht haben. In Katima Mulilo (fast am Ende des Caprivi Streifens) konnte uns nach der vorherigen Nacht niemand daran hindern im PROTEA Hotel einzuchecken und uns eine Runde an den Pool zu legen. Die Achterbahn fuhr wieder bergauf, gecamped haben wir auch dort, direkt am Fluss bei den Hippos. Das Cordon Bleu aus Hähnchenfleisch war aber dann wieder nicht so ganz mein Fall.


Die Tage bis zum neuen Jahr waren gezählt und nach diesem kurzen Aufenthalt in Namibia ging es weiter nach Zimbabwe, wo uns die Victoria Fälle erwartet haben. Aber hey, wär ja krass, wenn das einfach mal problemlos verlaufen wäre. Mit uns an der Grenze angekommen, waren auch gefühlt die Hälfte aller Festivalbesucher. Geduldig standen wir in der Schlange bis wir ganz vorne waren, nur um herauszufinden bzw. daran erinnert zu werden, dass das Visum pro Person 30 US-Dollar kostet, oder auch 300 Südafrikanische Rand oder alle anderen Währungen, die wir nicht bei uns hatten, weil keine Windhoeker Wechselstelle Rand für uns hatte bevor wir gefahren sind. Ist wohl doch nicht immer so das wahre, dieser African Way...von wegen „we’ll see and make a plan when we get there“. Zufällig hat Peter an der Grenze dann eine Kollegin getroffen, die auch das Ziel Vic Falls hatte und uns ein paar Scheinchen geliehen hat. Als sie abgefahren war, hat man uns mitgeteilt, dass auch das Auto noch mal 600 Rand kostet. Unglück...Glück...Unglück..und jetzt? Glück! Der Beamte an der Schranke hat sich ein paar Dollar verdient indem er uns Namibia Dollars gegen Rand getauscht hat. Mamma Mia. Der arme Peter, größter mir bekannter Gegner aller Polizei- und Grenzstationen, ist mittlerweile die Wand hochgelaufen. Aber heeey.....ab zu den Victoria Falls! Auch die Suche nach unserer Campsite hat sich als kompliziert herausgestellt, da sie anscheinend fünf verschiedene Namen hat und ein paar Kilometer außerhalb der Stadt Victoria Falls liegt. Dort angekommen, völlig geschafft und so erleichtert als wir endlich Allan im Scheinwerferlicht herumspringen sahen und wussten, dass wir richtig sind.

Die Tage in Vic Falls waren auch sehr ereignisreich und...nass. Am ersten Tag haben wir mit den zwei neuen Allan und Mike (die für die Zeit im Zimbabwe bei uns waren) die Fälle angesteuert. Direkt zu Anfang merkt man schon dass die Luftfeuchtigkeit erheblich steigt je näher man an die Fälle kommt, aber dass wir ca. in der Hälfte komplett durchnässt sein werden, damit haben wir nicht gerechnet.  Angeblich treibt der Wind das Wasser von den Fällen so hoch, dass es quasi als Regen wieder herunterkommt. (Ich bin aber immer noch nicht ganz davon überzeugt davon, dass da nicht doch ein Regenschauer mit im Spiel war.) Wie auch immer, es war ein spitzenmäßiges Gefühl (jeder Fan von Sommerregen weiß, was ich meine), im warmen Regen an einem der schönsten Orte der Welt zu sein und an den Vic Falls entlangzulaufen. Ab und zu kam dann auch die Sonne ein bisschen durch die Wolken durch und wir haben knallige Regenbogen gesehen. Es war aber auch einfach toll, am Abgrund zu stehen und zu beobachten wie die mächtigen Wassermassen in die Tiefe fallen... wunderbar. Nachmittags sind wir nach Sambia gelaufen und haben von dort aus ein paar Bungee Sprünge beobachtet und sambische Burger gegessen :-)
der Akku meiner Kamera war leer...das einzige passable Bild:(

Der nächste Tag hat für Peter, Ferdi und mich sehr früh begonnen...ab geht’s....Zambezi River Rafting! Was ein Abenteuer – auf dem Zambezi River, der zwischen Zambia und Zimbabwe fließt hatten wir, zumindest ich, einen anstrengenden Vormittag voller Glücksmomente und Adrenalinschübe und Lachflashs. Wir haben crazy Stromschnellen überlebt, sind mit dem Strom geschwommen, haben Krokodile gesehen, sind von (8-10m?) Klippen gesprungen, haben uns mit unserem Boat umkippen lassen und haben in Wasserschlachten und Kenterversuchen gegen die anderen Boote gekämpft. Danach stand uns ein super anstrengender Hike bevor um zurück zu den Bussen zu kommen. Oben angekommen, hat aber erstmal ein sehr, sehr leckeres Mittagessen auf uns gewartet. Um ca. 15 Uhr waren Ferdi, Peter und ich dann ready für die Gute-Nacht-Geschichte...



Aber halt, wir hatten ja Tickets für den Vic Falls Carnival für den und den nächsten Tag. Der erste Abend ist leider komplett ins Wasser gefallen und da das Festival vor allem was den Aufbau angeht nicht ganz so fortschrittlich war, gab es keine Zelte, von welchen man die Bühne richtig sehen konnte und es war nur sehr wenig los. Dafür war der Silvesterabend um so besser. Wir hatten Glück und bis Mitternacht hat es keinen Tropfen geregnet. Die Musik hat uns auch viel besser gefallen, vor allem als wir einen unserer Rafting-Buddies auf der Bühne wiedererkannt haben. Jeremy Loops aus Cape Town, wen’s interessiert ;-) Wir haben also das neue Jahr sehr gut angefangen - war auch mal toll statt der traditionellen Wanderung ins Feld irgendwo um Landau, in einer großen Menge von Leuten zu stehen, die alle zusammen den Countdown runterzählen.

Jajaaaa..am nächsten Tag ging’s schon wieder weiter, bye-bye Zimbabwe, schön – und teuer wars. ((In Zimbabwe wurde vor ein paar Jahren der US-Dollar als Währung übernommen, ich glaube wir haben die Hälfte unserer Reisekasse in Zimbabwe gelassen.))
Zurück in Namibia (wieder durch Botswana, die dritte Fahrt durch Chobe, die Elefanten waren immer noch toll:)) haben wir zuerstmal Allan und Mike in Katima Mulilo rausgeschmissen um uns dann die Caprivi Region (seit neustem: Zambezi Region) vorzunehmen. Der Plan war zu fahren, bis es dunkel wird und dann im Auto zu schlafen um am nächsten Morgen gleich weiterzufahren.

Da kam aber auch schon das nächste Down auf uns zu: In strömendem Regen und Dunkelheit, 20 Kilometer vor Kongola, unserem Etappenziel, haut Ferdi plötzlich richtig auf die Bremse und zieht das Auto nach rechts auf die Gegenfahrbahn um ein paar Meter weiter stehen zu bleiben. Irgendwas lag auf der Straße, das aussah wie ein Moped oder Fahrrad. Auf dem Weg zurück erkennen wir, dass ein Mann unter seinem Fahrrad auf der Straße liegt. Oh gott. Wir haben ihn um wenige Meter umfahren, es scheint echt knapp gewesen zu sein. Nachdem wir zuerst zögerten, ob wir aussteigen sollen oder nicht, weil man nie wissen kann, ob das nun Fake ist oder nicht, ist der Mann langsam aufgestanden und offensichtlich total betrunken an den Straßenrand gehinkt. Das Auto, das eine Minute später angerast kam, wäre definitiv zu schnell gewesen um ihn zu sehen. Wir standen alle etwas unter Schock.... Eine schaurige und enge Nacht im Auto stand uns bevor.

Die Tage danach waren Faulenzertage im Ngepi Camp bei Divundu, auch noch im Caprivi Streifen. Wobei man sagen muss, dass wir keine Wahl hatten als nichts zu machen, denn es hat durchgängig geregnet und die Klamotten, die man im nächsten Bild sieht, waren vier Tage später immer noch nicht trocken. So auch wir, alles war klamm vom Zelt bis zum Auto und es wurde langsam ungemütlich. Schade, denn das Camp war wirklich toll, wieder direkt am Wasser. 


Also ging’s zurück nach Ongwediva, Ndiilis Home town, wo Peter und ich zum ersten Mal waren, Ferdi schon ein paar mal. Der Norden Namibias war plötzlich wieder heiß und trocken, was ich ungewöhnlicherweise als richtig angenehm empfunden habe...für ein paar Stunden. Wir haben leckeres Essen von Ndiilis Mama bekommen und ein paar Sachen in der Umgebung unternommen, bevor der Trip dem Ende entgegen ging... Mit einem Bekannten konnten wir in lockeren 6 Stunden die 720 km zurück nach Windhoek fahren...auf Ledersitzen! Windhoek war auf einmal super grün und ich habe es fast nicht wiedererkannt, aber es tat gut, wieder zu Hause zu sein :-)))

So viel zum ersten Trip meiner namibischen Sommerferien... der zweite Trip in den Süden in der Woche danach ist natürlich auch der Rede wert, aber dazu mehr beim nächsten Mal ;)

Ich hoffe, ihr habt das neue Jahr alle gut angefangen und freue mich wie immer von euch zu hören!
Julia